Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1930-02-01
- Page
- 600 (sequence 1)
- Language
- German
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament Von Ludwig Feuditwanger (Schluß) i) III Frömmigkeitsgeschichtliche, psychoanalytische und soziologische Fragestellungen Die Eingliederung der alttestamentlichen Urkunden in die Welt des alten Orients ist nur die Vorarbeit und Vorbereitung zu dem Verstehen der alttestamentlichen Eigenwelt, zu dem Erfassen ihrer starken Ursprünglichkeit, namentlich ihrer absoluten religiösen Werte und der Eigenart ihrer sprachlichen Äußerung. Die Formen des Denkens und Erlebens, die in den Sprachdenkmälern sichtbar werden, das in diesen Formen sich verbergende religiöse Eigengut bleibt der vornehmste Gegenstand jeder Betrachtungsweise des Alten Testaments. Die Ergründimg dieses verschollenen Bewußtseinzustand es muß allerdings um einen sehr teueren Preis erkauft werden, um den Preis des eigenen Ausgeschlossenseins von der analysierten Frömmigkeit, der, solange sie noch echt ist und lebt, ein solches Wissen von sich selbst verschlossen bleibt Ein Zeitalter, in dem es erlaubt ist und das fähig ist, das „Heilige" zu zergliedern, die seelischen Vorgänge beim Gebet mikroskopisch zu sichten, das aussprechen kann, was bei der „Zerknirschung" vor sich geht, eine Zeit, welcher Herkunft und Ablauf des Verbundenheits- und Abstandsgefühls zum Göttlichen in verschiedenen Religionssystemen geläufig geworden sind, x) Sieh« „Morgen", V. Jahrgang, Heft 2 und 3. 600