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Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 595

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Französisches Judentum
Date
1930-02-01
Page
595 (sequence 5)
Language
German
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Französisches Judentum war im Innern andrer Meinung, vollzog aber doch schweren Herzens, was aus politischen Gründen unvermeidlich war. Die Notabein gaben die vom Kaiser erwarteten Erklärungen ab; einzig in der Frage der Mischehe, die zu fördern die Absicht des Kaisers gewesen war, erklärten sie ausweichend, sie sei mit Nichtheiden religiös nicht verboten; zwar würden die Rabbiner sie nicht einsegnen, aber sie sei ja auch ohne die rabbinische Trauung durch die staatliche Anerkennung eine güllige Ehe. Im Jahre 1807 trat sodann auf Napoleons Vorschlag ein „Großes Sanhedrin" zusammen, dessen Vorsitz demonstrativ Sinzheim zu übernehmen hatte. Das Sanhedrin bestätigte in religiös verbindlicher Form die Erklärungen der Notabein vom Vorjahr. In einer merkwürdigen, naturrechtlich und theologisch zugleich gefärbten Wendung seiner Schlußansprache feierte Furtado den Vertrag des Volkes Gottes mit den Nationen, die es in ihren Schoß aufgenommen haben. — Im Jahre 1808 organisierte Napoleon die jüdischen Gemeinden Frankreichs in zehn Konsistorien, die, dem administrativen französischen Zentralisatiousprinzip entsprechend, einem Zentralkonsistorium in Paris unterstellt wurden. Damit war von Staatswegen formell jede weitere Unterscheidung zwischen sefardischen und aschkenasischen Juden aufgehoben. Es gab hinfort nur noch Angehörige der einen französisch-jüdischen Staatskirche. Unter der Oberfläche der Departements- und Konsistorialeinteilung änderte sich freilich in der konservativen Provinz nur. sehr wenig. Die Juden des Konsistoriums der Gironde, von Bordeaux, pflegten weiter harmonisch französisches Staatsbürgertum und jüdisches Zeremonial. In der Provence, in den engen Gebirgstälern der Vaucluse, überschattete der Stolz der Juden auf ihre Comtadiner Gemeinden, für die so viele Blutzeugen gestorben waren, alle anderen sozialen Empfindungen. Im Elsaß, das durch den Kamm der Vogesen vom übrigen Frankreich getrennt ist, bewahrte sich die gesamte Bevölkerung ihr Sonderbewußtsein; die jüdische Jugend wurde von den Eltern weiter zum Studium des Gesetzes in die Jeschiwoth geschickt. Während die alten Zentren sich einigermaßen unverändert zu erhalten vermochten, verlegte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts das Schwergewicht des französischen Judentums von der Peripherie des Landes mehr und mehr in die großen Städte wie Calais, Le Hävre, Lyon und Marseille. Eine beson- - dere Anziehungskraft übte auf in- und ausländische Juden die Hauptstadt aus. Paris, das bei Ausbruch der Französischen Revolution erst 5oo Juden zählte, weist heute 100 000 Juden auf. An diesen neuen Großstadtgemeinden, deren 595

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