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Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 560

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Franz Rosenzweig
Date
1930-02-01
Page
560 (sequence 20)
Language
German
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Margarete Susman schwer die Menschen sich an das neue fremde Kleid der alten vertrauten Gestalt gewöhnen mochten — es ist längst offenbar geworden, wieviel enger als jedes frühere dies neue Kleid der alten Gestalt anliegt — wie es dem heute lebenden Menschen das Ewige als Heutiges entgegenbringt Das Bekenntnis zum Gottesnamen: „Denn Name ist nicht Schall und Rauch, sondern Wort und Feuer" war einst der Ursprung des Erlösungsbuches gewesen. Die Übersetzung des Gottesnamens — von Martin Buber selbst als die äußerste Grenze dieser Übersetzung bezeichnet — ist es nun, die mit der letzten Grenze der Übersetzung auch ihren tiefsten Sinn offenbart An Stelle des: „Ich bin, der ich sein werde" tritt hier das: „Ich bin da". Und wie einst, im Stern der Erlösung, der Anruf seines Namens Gott aus dem Schall und Rauch der bloßen Göttlichkeit löste, so ist er mit diesem neuen Nennen seines Namens aus der dauernden Ewigkeit gelöst und in die ewige Gegenwart hereingezogen. — Damit aber ist zugleich wieder das letzte Mysterium von Rosenzweigs eigenem Leben berührt. In diesem Namen strahlt noch einmal — und nun am mächtigsten — die Kraft auf, die dies Leben, dessen Körperliches längst zum größten Teil abgestorben war, durch lange Jahre lebendig erhielt Und nicht; nur lebendig, auch wirkend — und nicht nur wirkend, auch beglückend. Denn das war vielleicht das Wunderbarste: er konnte es wirklich, er konnte dies Leben leben. Er hat es nicht als weitabgewandter Heiliger, er hat es als ein das Leben segnender, mit seinem begnadeten Lächeln verklärender und vielleicht erst durch dies verklärende Lächeln wahrhaft heiliger Mensch gelebt Und er konnte dies Leben segnen — trotz allem. Denn die Liebe,, in der sich der Kreis seines Lebens und Schaffens schloß, strömte überreich auf ihn zurück. Gleich David stand er in der Liebe der Menschen wie in einer Gloriole, die ihn zugleich umleuchtete und beschützte. Eine Mutter, die ihn nicht nur hebte, sondern verstand, ein kleiner Sohn, dessen wundervolle Entwicklung in die Jahre seiner Krankheit hineinstrahlte, lassen sein Leben auch im natürlichen Dasein nach unten wie nach oben als ein gesegnetes stehen. Und die Liebe der Gefährtin neben ihm, die in unermüdlicher, in unfaßlicher Arbeit zu seinem Leben, zu seinem Leib, zu seinen Gliedern, zu semer Stimme selbst wurde, — durch die allein er der Welt alles gab, was er zu geben hatte, hat den Sinn der Ehe, wie er ihn im Stern der Erlösung so beglückend wahr gezeichnet hat: als Schwesterwerdung der Geliebten in der Ge- 560

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