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Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 561

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Franz Rosenzweig
Date
1930-02-01
Page
561 (sequence 21)
Language
German
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Franz Rosenzweig meinschaft der Menschen, nicht nur verwirklicht, sondern überschritten und überstrahlt — Und in den letzten Jahren noch wuchs ihm der Freund zu, der, von einer anderen Seite des Judentums herkommend, das seine mit dem des Freundes im gemeinsamen Werk bis empor in den Glanz der neuen Gewißheit des Gottesnamens verschmolz. Die Kraft der Liebe und Hingabe Martin Bubers in Arbeit und Leben hat sicher durch Jahre mitgeholfen, die schwache Flamme des geliebten Lebens brennend zu erhalten. — Die ganze Begnadung dieses Lebens, die noch weit sein Leiden überstieg-, scheint als Ahnung sichtbar zu werden schon in jenem Knabenbild Franz Rosenzweigs, das ich vor wenigen Monaten bei ihm zum ersten Male sah. Während ich gebannt in die wunderbar hellen reinen Züge, in die fast überweltlich strahlenden Augen des Kinderantlitzes blickte, sagte Rosenzweig in seiner knappen starken Art: „Wenn man so bleiben könnte, brauchte man überhaupt nicht zu schreiben". Und vielleicht brauchte wirklich, wer dies Kinderantlitz ganz zu lesen verstände, den Stern der Erlösung und alles, was ihm folgte, nicht mehr zu lesen. Denn nie war ein Antlitz deutlicher in seiner bloßen Schöpfung schon die Offenbarung der kommenden Erlösung. Aber erst von dem übermächtig strahlenden Kinderantlitz auf das stille Leidensantlitz des Dulders zurückblickend, wurde ganz klar, was mit der Schöpfung dieses Angesichtes von seinem Schöpfer, gemeint sein mochte, erschloß sich der Abgrund, der Umkehr, durch den dies Leben gegangen war, um über ein Werk und ein Leben hinweg eine Vollendung in der Wirklichkeit zu erreichen, die selbst in dem schönen Bild seiner Jugend nur angelegt, nur angedeutet, die in ihm noch nicht entfaltet sein konnte: die Vollendung vom stummen noch nicht redenden Selbst über die sprechende gottgeliebte Seele zum schweigenden nicht mehr redenden Knecht Gottes. 56t

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