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Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 553

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Franz Rosenzweig
Date
1930-02-01
Page
553 (sequence 13)
Language
German
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Franz Rosenzweig seiner Liebe. Und dieses sein ganz offenbares Lieben zieht nun in die von der Starrheit des Wesens erlösten Räume und füllt alle Fernen." Das ist der Kern dieser Philosophie: die Auflösung aller nur gedachten Wahrheit in der Wahrheit, die die Wirklichkeit der lebendigen Liebe ist Aber so — in der Sprache des Denkens — und eines unendlich tiefsinnigen und komplizierten Denkens — ist diese Philosophie trotz aller monumentalen Einfachheit ihres Gehalts dem vom üblichen Denken verstörten heutigen Menschen immer noch nicht ganz verständlich. Wirklich verständlich wird, was mit dieser Philosophie der lebendigen Liebe gemeint ist, erst durch den Schluß des Buches, der die Verbindung mit dem Leben stiftet, und durch diese im Leben des Denkers wirklich geschehene Verbindung selbst Die letzte Vision des Buches ist die der Selbsterlösung Gottes, in der Gott sich erlöst von Welt und Mensch, die in der letzten Erlösung verschwinden. Verschwinden, damit Er der Eine sei — über allen Namen hinaus der All und Eine. „Denn Gott wird erst in der Erlösung das, was der Leichtsinn menschlichen Denkens von je überall gesucht, überall behauptet und doch nirgends gefunden hat, weil es eben noch nirgends zu finden war, denn es war noch nicht: — All und Eines." Die Umdenkung ist vollzogen; das All liegt im Glanz der Vollendung, und eine solche Lichtflut strahlt von diesem Ende aus, daß man vergessen könnte, daß alles dies, was hier nicht nur gedacht, nein: erfahren, gehört, geschaut ist, — nur ein Buch ist Aber da wendet der Denker selbst mit der großartigen Gebärde der Entscheidung sich gegen sein Buch zurück und schließt es vor unseren Augen. Das Letzte, was uns — schon nicht mehr Buch — wie er selbst es -später genannt hat — entgegenflammt, ist der Stern als Antlitz Gottes, in dem allein die Wahrheit Gestalt für uns gewinnt Das Antlitz Gottes als das, nach dem alles Menschenantiitz gebildet ist und das doch unendlich mehr als alles Menschenantlitz: das selber Licht ist — das ist die Wahrheit Wer vermöchte hier noch von einem Bild zu reden? Wen berührte hier nicht der Schauer der Wahrheit selbst? Aber von dieser kurzen überschwänglichen Schau tritt der Denker zurück und weist uns hin auf die Worte, die über dem Tor stehen, „das aus dem Leuchten des göttlichen Heiligtums, darin kein Mensch leben bleiben kann, herausführt" Es sind die Worte: „Einfältig wandeln mit deinem Gott." Das ist das Letzte; in ihm wendet sich der Weg. Und aus diesem Wissen her- 38 553

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