Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 548

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Franz Rosenzweig
Date
1930-02-01
Page
548 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895483-2895490-2900304--04021-2900349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Margarete Susman Unsere Wirklichkeit aber: die lebendige Verbindung der Urelemente Gott, Well, Mensch, die ihr Geheimiiis ins Offenbare wendet, kann als objektive Wahrheit, die zugleich Wahrheit für den Menschen ist, nur ausgesprochen werden als Schöpfung, Offenbarung und Erlösung. Wie der Schöpfungsbegriff allein das leisten kann, woran der bloße Weltbegriff des abstrakten Denkens zuschanden werden mußte: das Phänomen des geistigen Bestandes des völlig außergeistigen, völlig undenkbaren Seins und umgekehrt die Überraschung alles Denkbaren durch das Wunder der immer erneuerten Geburt der lebendigen individuellen Gestalten zu deuten — und wie zugleich in ihm das Wesen Gottes hell wird, das über dem Dunkel der immerwährenden Vorwelt als allzeit erneuernder Schöpferwille aufgeht und sie zur blühenden Lichtwelt der gestalteten Schöpfung entfaltet, so kann die Offenbarung allein den Menschen zur Welt führen, indem sie ihn aus seinem taubblinden Selbst befreit zur gottgeliebten Seele, die die Liebe, die sie empfing, wieder in die Schöpfung und damit die Schöpfung in Gott zurückträgt: im Reich. Erst befreit durch Gottes Liebe vermag sie sich auf die letzte der drei großen Bahnen zu begeben, die vom Menschen über die Schöpfung wieder zu Gott zurückführt So zeichnet sich in klarer Gestalt die Doppelbahn des Davidssternes der Erlösung. Die gleichen Seiten der einander überschneidenden Dreiecke drücken die gleiche Entfernung der Urwirklichkeiten Gott, Welt, Mensch voneinander aus und bilden zugleich in ihrer Doppelheit das reinste Symbol der lebendigen Bahnen, die zwischen ihnen als Schöpfung, Offenbarung und Erlösung hin und wieder führen und das Wunder der Wirklichkeit immer neu auf dem Nachthimmel der Ewigkeit aufleuchten lassen. Aber zugleich mit dem Aufleuchten der symbolischen Gestalt des Sternes wird noch etwas anderes klar. Wir sahen: in des Menschen Hand ist die Erlösung gelegt Wie die Welt sich vollendet in der Schöpfung, so vollendet sich der Mensch, das Selbst, zur gottgeliebten Seele aufgeschlossen, im Heiligen, im Knecht Gottes. Nur durch Gottes Liebe wird er zu der Liebe befreit, die ihn fähig macht, als Liebe zum jeweils Nächsten die Welt der Erlösung entgegenzuführen. Aber nicht nur Gottes Liebe kommt über uns, auch das Leben der Schöpfung kommt von der anderen Seite her unserer Liebe entgegen; es reift der Erlösung zu. Raum und Zeit der Erlösung sind von ihm her bestimmt, vom Leben der Schöpfung her, in dem sie heimisch sind. Innerhalb des geschichtlichen Prozesses ist damit der Augenblick eindeutig, unverrückbar fest- 548

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.