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Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 544

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Franz Rosenzweig
Date
1930-02-01
Page
544 (sequence 4)
Language
German
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Margarete Susman ihm der deutsche Jude Franz Rosenzweig geboren wurde. — Aber wir besitzen noch ein anderes unvergängliches Zeugnis dieser Geburt: seinen „Stern der Erlösung". Denn es handelt sich in diesem Buch nicht nur, wie er selbst es aussprach, um ein neues Denken, um eine Umdenkung der gesamten bisherigen Philosophie: es handelt sich darin um ein neues Leben — oder richtiger gesagt: ein neues, ein erneuertes Leben erzwang hier ein neues Denken., Gerade darum ist das Buch, schwer zugänglich im Tiefsinn seines Denkens und der Überfülle seiner durchdachten Gehalte, strahlend einfach in seinem Sinn und Kern. — Im Jahre 1921 erschienen, ist es in seiner ersten Konzeption inmitten des Krieges draußen im Felde entstanden. Daß gerade in die Zeit der Entstehung dieses Buches auch Franz Rosenzweigs Verheiratung fällt, ist sicher nicht ohne tiefe Bedeutung für dies Werk gewesen. In jeder Hinsicht liegt dem Buch eine Entdeckung des Menschen und eine Erneuerung des Menschseins voraus. Das zeigt sich sofort an der Grundfrage, die Rosenzweig, das gesamte bisherige Denken, von dem sich sein Denken genährt hatte, überblickend, in diesem Buche stellte. Es ist auf die einfachste Formel gebracht, keine geringere als die radikale Frage: Hat die gesamte bisherige Philosophie nach dem gefragt und auf das geantwortet, worauf es für den Menschen ankommt? Alles abendländische Denken von dem Urwort der europäischen Philosophie an: „Alles ist Wasser", war eine Antwort auf die Frage gewesen: Was ist das All? Alle Philosophie war also eine Aussage über das Wesen des Seienden gewesen. Damit hatte sie das All des Seienden als ein denkbares, als das Eine denkbare All gefaßt Ja: sie hatte dieser Denkbarkeit alles Seienden den allerentschiedensten Ausdruck gegeben, indem sie das Sein und das Denken miteinander identifiziert hatte, um dann, indem sie das seiende All im Lauf der Geschichte immer mehr in seine Einzelheiten auseinanderfaltete, es mit immer komplizierteren Methoden in das Denken einzubeziehen, — bis zuletzt in dem gewaltigen System Hegels das Äußerste geleistet war und das Denken nicht nur die gesamte geschichtliche Wirklichkeit einschließlich ihrer Religionen, sondern auch noch das Denken selbst in sich einbezogen hatte. Und wenn Rosenzweig nun sagt: „Soll von diesem Gipfel noch ein Schritt weiter geschehen, ohne zum Sturz in den Abgrund zu führen, so müssen die Grundlagen verrückt werden, es muß ein neuer Begriff von Philosophie aufkommen" — so fühlen wir, daß er selbst, der dies allvergewaltigende Denken bis zum Ende nachgedacht hatte, an diesem Abgrund gestanden hat 544

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