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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 529

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Zum dritten und vierten Band der Encyclopaedia Judaica [Rezension]
Date
1929-12-01
Page
529 (sequence 3)
Language
German
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Zum dritten und vierten Band der Encyclopaedia Judaica Nun erweitert sich der Horizont. Die Bibel wird jetzt in den verschiedenen Kreisen des Daseins — fast alle Überschriften, die noch folgen, enthalten das Wort „in" — sichtbar. Elbogen umreißt die Bedeutung der Bibel für die jüdische Liturgie; Bernhard Heller schildert, vielfach sich berührend mit Früherem, besonders mit Kaminkas Beitrag über Exegese, an zahlreichen, glänzend systematisierten Beispielen die Verwendung des Bibelworts in Agada und Halacha; Jehoschua Gutmann überblickt die Ausdeutung der Bibel im jüdischen Hellenismus; erschließend und aufschlußreich behandelt Scholem, zum Teil auf Grund ungedruckter Quellen die Bibel in der Kabbala. Die Schicksale unsrer Bibel im Christentum erzählt, etwas zurückhaltend, Michaelis; die im Islam berichtet aus eigener Forschung Josef Horovitz. Nun lenkt die Monographie mit einer von' Cassuto eingeleiteten großen Darstellung der Bibelwissenschaft, von der Rubaschow den jüdischen, Cassuto selbst den nicht judischen Anteil übernommen hat, scheinbar noch einmal auf die Bibel selbst zurück; in Wirklichkeit ist die Anordnung so gemeint, daß auf die religiöse Auffassung der Bibel innerhalb und außerhalb des Judentums die wissenschaftliche als die spezifisch moderne Form der Auseinandersetzung mit ihr zu folgen hat, und die Tendenz der beiden Bearbeiter entspricht diesem Ordnungsgedanken. Nach Religion und Wissenschaft erweitert sich der Kreis in die allgemeine Kultur. Bin Gorion und Sakheim geben Material zum Thema: Biblische Motive in der Weltliteratur, Galliner zum Thema: Biblische Motive in der bildenden Kunst, mit 23 z. T. ausgezeichneten Illustrationen, Alfred Einstein spricht kurz und lichtvoll über biblische Motive in der Musik. Das Ganze schließen und umschließen im größten Kreis zwei geschichtsphilosophische Studien: Aaron Steinberg, der Dubnowübersetzer, gibt unter dem Titel „Die Bibel in der jüdischen Geistesgeschichte" eine höchst bedeutende Abhandlung über den in der jüdischen Geschichte verwirklichten Begriff der Tradition, geschrieben aus einer ganz unbefangenen radikalen Anerkennung des Entwicklungsgedankens und aus einer tiefen Pietät für den Zusammenhang der Jahrtausende, die ihn in dem „unzutreffenderweise" so bezeichneten „Talmudjudentum" die fortwirkende Ewigkeit der Thora erkennen läßt. Es folgt, von mir selbst als Abschluß des Ganzen verfaßt: „Die weltgeschichtliche Bedeutung der Bibel"; die Redaktion hat unter Änderung dieser Überschrift noch ein paar, an sich treffende, Apercus Max Wieners über die Bibel als Volksbuch und als Mittlerin des Wissens angehängt, die an diesem Platz, nach den beiden vorhergehenden Abhandlungen, unangemessen wirken müssen. — Der Leser wird aus diesem Referat schon entnommen haben, wie der Artikel redaktionell komponiert ist: nämlich, um es kurz zusagen, nach Art jener großen Adagiosätze der Klassiker, die ein paar Themen in Variationengruppen wechselweise durchführen. Wiederholungen sind also nicht etwa vermieden, sondern sogar durch die redaktionelle Themenstellung geradezu herbeigeführt; auch Widersprüche sind nicht umgangen, sondern die Autoren wurden so gewählt, daß mit Sicherheit auf Widersprüche zu rechnen war. Das macht sich nicht etwa nur in der ganzen Hal- 36 529

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