Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 528

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Zum dritten und vierten Band der Encyclopaedia Judaica [Rezension]
Date
1929-12-01
Page
528 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2895450-2895483-2895489-2900158--03988-2900291
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Franz Rosenzweig eigenen Leserlum heraus zu loben und zu tadeln, und nicht aus meinem zufälligen Auch-mal-über-die-Sache-Geschriebenhaben oder -Schreibenwollen. Dem Leser aber — mir dem Leser! — schadet es durchaus nichts, wenn er aus seiner hundertprozentigen Unwissenheit nicht zu hundertprozentiger, sondern bloß zu neunzig- oder achtzigprozentiger Weisheit durchbricht. Wird ihm aber die Aufgabe, das Gelernte weiterzugeben, so ist er ohnehin verpflichtet, sein Vertrauen zu den Gelesenen auf oo/o zu reduzieren und nach der hundertprozentigen Wahrheit zu streben, damit seine Leser vertrauen dürfen, die — neunzig- oder achtzigprozentige bei ihm zu finden. Von jenen großen monographischen Darstellungen eines ganzen Gebiets, durch die das Werk so glückliah die Eigenschaften des Handbuchs mit denen des Lexikons, also die eines Lehrbuchs mit denen eines Nachschlagewerks, verbindet, bringt der dritte Band neben andern dank dem freundlichen Zufall des alphabetischen Ausschnitts die sachlich sich gegenseitig ergänzenden: Archäologie, Assyrien, Ausgrabungen, Babylonien. Im vierten Band ist es die große Monographie „Bibel", die, mit 270 Spalten fast ein Viertel des Bandes füllend, ihm sein Gesicht gibt. Von ihr sei daher im folgenden noch einiges berichtet. Der alte Bernfeld maoht den Anfang mit einer Art „Einleitung in das Alte Testament", unter der Überschrift „Die Bücher der Bibel": Namen, Anordnung, Inhalt, Abfassungshypothesen. Torczyner — mit Elbogen und Soloweitschik Hauptträger der redaktionellen Verantwortung für diese Monographie — folgt mit .riner eingehenden und systematisch übersichtlichen Darstellung der Probleme des Bibeltexts, von den Anfängen der Textkritik bei den Schriftgelehrten und Rabbinen bis zur radikalen Gegenwart. Nach einem kurzen Resume über den Bastardbruder unsres hebräischen Texts, den hebräischen Pentateuch der Samaritaner, (von S. Bialoblocki) handeln Arthur Spanier, Cecil Roth und Arthur Galliner über Bibelhandschriften und Bibelillustration, Spanier dann über die Drucke bis zur Gegenwart. Für die Übersetzungen hat Torczyner einen ganzen Stab von Mitarbeitern aufgeboten: die griechischen und lateinischen behandelt sehr lebendig ein christlicher Theologe: W. Michaelis, die Targume ausführlich und die übrigen orientalischen kurz: Bialoblocki, für letztere unterstützt von M. Goldmann, Markon und Torczyner selbst, die europäischen : Schipper, bin Gorion (mit einer sehr lustigen Tabelle von 3o deutschen Übersetzungsversuchen des neuerdings ja übersetzerisch wieder interessant gewordenen zweiten Verses der Genesis), Torczyner, Yevin, Simonsen, Cassuto, Bato, Iljin. Gesprächig breit und sehr originell stellt dann Kaminka die Geschichte der Bibelexegese seit ihren noch innerbiblischen Anfängen dar; wie schon dieser Anfang — die Propheten als Exegeten der Tora — zeigt, treten hier die Probleme, die Bernfeld und Torczyner in den beiden ersten Abschnitten des Ganzen vom kritischen Standpunkt aus dargestellt haben, hier unter das Licht einer im wesentlichen konservativen Gesinnung, die doch mit Vorliebe bei den Freiheiten verweilt, die auch die Exegese der Alten sich schon gestattet. Kaminka wird nach der literaturgeschichtlichen Seite ergänzt durch die Übersicht, die Josef Heller über die Kommentarliteratur gibt. 528

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.