Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 525 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895489-2900157--03983-2900287- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Alfred Wiener; Juden und Araber in Palästina Farbennüancen hat er indes wohl weniger Sinn. Die meisten würden einen beschaulichei» Sitzplatz im Schatten an sprudelndem Wasser jeder noch so erhabenen Fernsicht vorziehen . . ."' (S.XIII). Neben dieser naturlichen Poesie, die ja allen Völkern der Erde in größerem oder kleinerem Ausmaße eignet, sei, wenn auch nur fluchtig, auf die neuarabische Literatur hingewiesen. Sie stützt sich allerdings wesen(lieh auf Syrien, Ägypten und die syrischen Auswanderer in Amerika, ist aber doch Geist vom arabischen Geiste, und, wer sie kennt, wird, falls ihm der geschichtliche Sinn nicht abgeht, jede überhebliche Minderschätzung des arabischen Volkes zurückweisen. Es ist wenig bekannt, daß der syrische Araber S u 1 e i - man Albustani (i856—1926) Homers „Ilias" mustergültig ins Arabische übersetzt hat. Die Schriften der nach dem Kriege gegründeten „Arabischen Akademie von Damaskus" kennt man bei uns kaum dem Namen nach. Noch weniger weiß man von den großartigen Auseinandersetzungen, die sich in Ägypten zwischen der eingedrungenen und eindringenden europäischen Ideenwelt und der orientalisch-arabischen Kultur abspielen. Die Leistungen des verstorbenen Petersburger Orientalisten Professors Ignaz Kratschkovsky, eines ausgezeichneten Kenners der neuarabischen Literatur, offenbaren die Bedeutung dieser Auseinandersetzungen und den Wert der arabischen geistigen Arbeit der letzten hundert Jahre. Aus einem Aufsatz Kratschkovskys „Entstehung und Entwicklung der neuarabischen Literatur" („Die Welt des Islams", Berlin 1929, Bd. 11; im gleichen Heft eine wertvolle Würdigung Kratschkovskys durch Georg Kampffmeyer) seien folgende Darstellungen wiedergegeben x): „Ihre ruhmvolle Vergangenheit verbarg die Araber vor den Blicken der Europäer. Mit ihrem Namen ist der Koran und 1001 Nacht fest verknüpft, bei der Frage nach der Gegenwart aber erscheint nur eine Reihe blasser, neblig-phantaslischer Bilder. Man denkt so an reiche Kaufleute, die in Kaffeehäusern bei ihren Wasserpfeifen Erzählungen derselben 1001 Nacht lauschen, man eorinnert sich des Beduinen, der vor seinem bunten Zelt von den »Taten seiner Väter« singt; dann und wann, bei einer Zeitungsnotiz über den Pan-Islamismus, wird in unserer Vorstellung die rätselhafte Gestalt eines Fanatikers mit einem Schwert erscheinen, der sich mit einem heiligen Krieg auf die christliche Welt stürzen will. Die Touristen vervollständigen noch den Hintergrund dieses Bildes durch ihre Erzählungen über zudringliche Bootsleute und Treiber, die einen unablässig mit ihren Bitten um einen Bachschisch belästigen. Und hinter diesen Bildern ist die Wirklichkeit ganz verborgen. Daß ein reiches periodisches Schrifttum in vier, ja sogar fünf Erdteilen existiert, daß eine Reihe öffentlicher und politischer Parteien mit der allerveTSchiedensten Ideologie besteht, bleibt unbekannt. Die ara-!) Dazu noch z. B. „Islam und Abendland". Vom ägyptischen und türkischen Modemismus. Von Gotthelf Bergsträßer, in „Auslandstudien 4, der Vordere Orient". Königsberg 1929. 524