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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 526

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Juden und Araber in Palästina
Date
1929-12-01
Page
526 (sequence 51)
Language
German
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II. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern bischen Länder sind auch jetzt ein gewichtiger wirtschaftlicher Faktor, der im internationalen Verkehr der Länder um das Mittelländische Meer ein unerläßliches Glied darstellt. Die Araber selbst sind im allgemeinmenschlischen Sinne das kulturelle Volk des nahen Orients, sie sind die Führer der islamischen Welt, wie sie es schon im Mittelalter waren, sie sind aber gleichzeilig auch die Vorhut für den europäischen Einfluß. Die erstaunlichsten Kombinationen ruft diese Begegnung des Okzidents mit dem Orient hervor; das ergiebigste Objekt zum Kennenlernen der modernen arabischen Kultur mag wohl die Literatur sein, deren Renaissance chronologisch so bequem mit dem Anfang des XIX. Jahrhunderts angesetzt werden kann." (S. 190/191.) Und abschließend bemerkt Kratschkovsky — der Aufsatz erschien russisch im. Jahre 1922 —: „Und doch ist die neuarabisohe Literatur interessant, vielleicht nicht weniger als die alte, da sie uns Seiten aufdeckt, für die wir in letzterer nicht die Möglichkeit der Beobachtung haben. Das Interesse an ihr kann durch zwei große Gedanken umrissen werden — Leben und Kampf. Die Entwicklung der alten Literatur ist schon abgeschlossen, man kann sie daher etwa in dem Sinne tot nennen, wie man von toten Sprachen zu sprechen pflegt . . . Wir sind fast Augenzeugen des ganzen Kampfes, der Zusammenstöße einer ganzen Reihe neuer Ideen, die für uns in der alten Literatur durch die Vergangenheit verwischt sind. Vor unseren Augen vollzieht sich die Schöpfung eines neuen Geistes, die Durchdringung europäischer Formen vom arabischen Sein; nicht selten zeigt dieses sich stärker, als man es nach den Nachahmungen, mit denen die neu-arabische Literatur einsetzte, hätte glauben wollen . . . Nur die Zukunft kann es zeigen, ob die neu-arabische Literatur irgendwelche Elemente in die allgemeinmenschliche Schatzkammer einbringen wird. Man darf nicht vergessen, daß sie kaum 100 Jahre alt ist und für ihr Volk schon viel getan hat. Die Entwicklung der menschlichen Seele zu verfolgen, wie sie sich in ihr aufschließt, ist für jeden denkenden Menschen eine hohe Aufgabe. Und nur auf diesem Wege kann man den wirklichen Orient erkennen, der nicht durch den Nebel unserer eigenen Phantasie verhüllt, aber auch nicht von dem Hohlspiegel dünkelhaften europäischen Hochmuts reflektiert wird." (S. 199.) Nun ist die englische Untersuchimgskonimission in Jerusalem schon längere Zeit am Werke, um die Anstifter der Unruhen, um die tieferen Grunde, die zu Unruhen führten, festzustellen. Das wird ihr bis zu einem gewissen Grade auch gelingen. Die ordentlichen Gerichte arbeiten schon seit Wochen. Geld-, Gefängnis-, Todesstrafen für Araber, vereinzelt auch für Juden, sind das Ergebnis ihrer traurigen Arbeit. Aber neben der Sühne für so viele Untaten — die Metzeleien eines arabischen Mobs gegen wehrlose Juden in Hebron werden schwer vergessen werden — taucht die entscheidende Frage auf: Wie werden sich die Beziehungen, wie das Neben einanderleben aer Juden und Araber in Palästina gestalten? Es ist sicher, daß von der Jewish Agency jetzt endlich energische, wohlüberdachte Anstrengungen unternommen werden, eine Verständigung zwischen Juden und Arabern herbeizuführen. x) Die Verhandlungen der Untersuchungskommission, soweit sie bisher vorliegen, sind für diesen Aufsatz nicht berücksichtigt worden. 525

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