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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 524

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Juden und Araber in Palästina
Date
1929-12-01
Page
524 (sequence 49)
Language
German
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II. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern Aufnahmebereitschaft auf jüdischer Seite vorausgehen muß, die aber weder auf einem nur aus taktischen Erwägungen geborenen Nützhchkeitssinn beruhen noch gar dem beleidigenden Wohlwollen des vermeintlich Höheren für einen angeblich Niederen entspringen darf. Die jahrhundertelange Mißwirtschaft einer unfähigen Regierung in Palästina, die für Bildung und Fortschritt in den letzten hundert Jahren keine Hand rührte, mußte moralisch und intellektuell abstumpfend und niederdrückend wirken. Trotzdem sollen sich ruhige Beobachtung und gerechte Beurteilung hüten, das Kind mit dem Bade auszuschütten und jeden arabischen Städter, jeden Fellachen und Beduinen als nur vegetierende Geschöpfe ohne Fähigkeit zu höheren Empfindungen zu betrachten. Der Zionist Hugo Herr mann schreibt einmal: „Ich habe vor ein paar Jahren ein Buch gelesen, in dem ein deutscher Gelehrter Volksmärchen arabischer Bauern in Palästina gesammelt hat, ein kleiner palästinensisch-arabischer Grimm. Nur in einem Dorfe, Bir Zet, las er diesen Schatz köstlichster Erzählungen auf. Und als ich auf der Fahrt von Jerusalem nach Nablus das Dörfchen Bir Zet sah, gelbe Häuschen unter sanften Ölbäumen, grün umbuscht. abseits von der Straße, fühlte ich mich freundschaftlich bewegt, dankbar und brüderlich. Wir wollen sie nicht als exotische Reste der Vorzeit empfinden, diese Fellachen, sondern als Nachbarn, heute und künftighin. Dann werden wir ihren Fleiß, ihre Intelligenz, ihre Genügsamkeit besser schätzen." (,,Eine werdende Welt", Reiseeindrücke aus Palästina. Prag 1925. S. 4i-) Wer die arabische Welt von heute kennt, wird die Fellachen nicht als „exotische Reste der Vorzeit" betrachten. Es ist hier nicht der Platz, um auch nur einigermaßen Umfassendes über das Arabertum der Gegenwart zu sagen. Daher nur einige Bemerkungen. Nächst den von Herrmann erwähnten Märchen — es sind die „VolkserZählungen aus Palästina", gesammelt bei den Bauern von Bir-Zet, hrg. von Hans Schmidt und Paul Kahle, Göttingen 1918 — hat Gustaf II. Dal man (jetzt in Greifswald) einen „Palästinischen Diwan" herausgegeben (Leipzig 1901), den er einen „Beitrag zur Volkskunde Palästinas" nennt. Dalman hat nur solche Lieder verzeichnet, die heute noch gesungen werden. Sind es auch in der Überzahl Liebeslieder, so sind doch die folgenden Feststellungen Dalmans beachtlich: ..Vollständig fehlen patriotische Lieder und Naturlieder, ebenso Wanderlieder. Auch daraus dürfen nur mit Vorsicht Schlüsse gezogen werden. Lieder, welche dem türkischen Staatswesen gelten, sind ja nicht zu erwarten, wenn auch ein Lebehoch auf den Sultan bei festlichen Zügen nicht fehlt. Aber die Heimat und das Heimatsland liebt auch der Orientale, \md er ist durchaus aufgeschlossen für die Reize einer an Wasser und Vegetation reichen Landschaft oder einer mondhellen Nacht. Für das Großartige in der Natur und ihre feineren 523

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