Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 518 (sequence 43)
- Language
- German
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II. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern gierungsbehörden empfingen aber mehrere Deputationen, die in dieser Frage Vorstellungen erhoben und insbesondere die gesetzmäßige Festlegung einer Bestimmung forderten, die, analog ^ener von Lord Cromer vor Jahrzehnten in Ägypten eingeführten Vorschrift, den Fellachen verbieten solle, ihr Land gänzlich zu verkaufen, damit stets ein Bodenminimum im Besitz» der Kleinbauern bleibe. Neben diesem Schritte geht die private Initiative einher: man spricht von großen Bodenkäufe n des moslemischen Rates, v-on der Bildung einer Gesellschaft zum Kauf fellachisciicn Bodens unter Sonderbedingungen, mit der Sicherung, das Land den Kleinbauern eventuell wieder zurückzuerstatten, von der Unterbringung größerer Aktienpakete der »Ägyptischen Bank in Palästina« (01.000 von 100.000 Pfund Sterling nominalem Kapital). Selbst die christlichen Araber, die sonst allen Aktionen des moslemitischen Rates mit besonderer .Skepsis und Kritik gegenüberstehen, sind diesesmal einverstanden und haben sogar in einem •ihrer Organe den Vorschlag gemacht, zwecks Ankauf des Bodens in der ganzen christlichen Welt Sammlungen zu veranstalten: ein christlicher Keren Kajemeth! Man braucht den praktischen Umfang all dieser Bestrebungen noch nicht zu überschätzen, wird aber zweifellos mit Bedauern feststellen müssen, daß unsere etwas laute Propaganda zur »Erlösung des Bodens« nun ihr natürliches Echo gefunden hat, das sich zum mindesten in den Preisen unliebsam bemerkbar machen wird . . ." Die arabische Presse Palästinas ist zum Teil leider auch auf den Ton gestimmt, den wir aus dem Doar Hajom kennen: viel Leidenschaft!, wenig tatsächlicher Inhalt, demagogischer Aufrufstil. Man muß die Empfänglichkeit des einfachen Arabers für die Rede überhaupt kennen, um zu begreifen, welche Folgen solche Worte haben können. Auch wenn sie keine Aufforderungen zu Gewalttätigkeiten enthalten, erzeugen sie durch ständige pathetische Versicherangen, wie „die Juden rauben uns unser Land", „sollen wir auswandern?", „wo sind die Blutvergießer?" u. s. f., eine Haßstimmung gegen die Juden, die nur eines geringfügigen Anlasses bedarf, um sich schrecken erregend zu entladen. Es ist müßig zu fragen, ob etwa jedem heftigen Aufsatz ein herausfordernder des Doar Hajom vorausgegangen ist. In bewegten Zeiten kann einer verantwortungsvollen Presse nicht das Recht zugestanden werden, selbst auf einen Schelm anderthalbe zu setzen. Sie soll zur Einsicht, zur Besonnenheit mahnen. Hier zwei Proben; zuerst der Anfang eines Aufsatzes aus dem Jerusalemer Miraat al Schark vom 26. September 1929: „Wer sind die Mörder? die Blulvergießer? die Erbarmungslosen? Die wiederholten Angriffe der Juden. Was wollen die Juden? Und warum? Sind nicht die Araber die Blutvergießer? Die Erbarmungslosen? Mörder? Stehen sie nicht jeden Tag mit den Juden in einer Schlacht? Wiederholen sich nicht ihre Angriffe? Und warum? Gehen die Juden nicht hier und da durch die nationalen Viertel? Jeden Tag, ohne daß jemand ihnen im Wege steht? Haben die Juden nicht sehr schnell vergessen, daß sie die Araber gestern angegriffen haben? Und heute bummeln sie in den arabischen Straßen und Bezirken? Und warum? Wer wirft Bonbons, Schokolade und getrocknete Feigen, die alle mit Gift vermischt sind, auf die arabischen Märkte, damit die Kinder der Araber sie verzehren und danach sterben? . . ." Die Verleumdung, die Juden hätten vergiftete Süßigkeiten absichtlich der arabischen Bevölkerung verkauft, mußte der Schriftleiter mit 3o pal. Pfund 517