Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 509 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895489-2900157--03967-2900271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina Folgerung, die Judengegner aus dieser Behauptung ziehen, — alle Juden seien Revolutionäre, Umstürzler, antikonservative Elemente — ist zwar falsch. Daß aber viele Juden besonders in den Ländern, in denen sie jahrzehntelang verfassungswidrig behandelt wurden, für die freiheitlich gesinnten Parteien Sympathien hegen, wird der Gerechtdenkende verstehen. Ziemlich allgemein sind solche Sympathien auf zionistischer Seite. Der Nichtzionist fragt sich aber erstaunt, wie diese Zionisten, und nicht die ersten besten, ihr Verhalten gegenüber den Selbstverwaltungsplänen der Araber in Palästina mit ihren Grundsätzen von Demokratie in Einklang bringen. Sie werden sagen: Palästina ist nicht Deutschland; das Land muß reif für ein Parlament sein. Solche Verteidigung mutet bekannt an. Mit ähnlicher Beweisführung sollte dem preußischen Staate das Dreiklassenwahlrecht erhalten werden. Die Zionisten fürchten begreiflicherweise in einem Parlament die zu erwartende arabische Majorität Aber, abgesehen davon, daß die Palästinaregierung aus naheliegenden Gründen nicht gewillt sein wird, einen Parlamentarismus etwa nach deutschem Vorbild in Palästina einzuführen, — Grundsätze müssen hochgehalten werden, auch wenn sie unter Umständen gegen einen selbst ausschlagen. Und kluge Zionisten sollten nicht der arabischen Nationalbewegung billige Argumente liefern, die das schönste Material für unangenehme Leitartikel der arabischen Zeitungen Palästinas bilden.1) Die „Jüdische Rundschau" ist auch hier schon mutig eigene Wege gegangen. Geeignete jüdische Persönlichkeiten — der Brith Schalom weist mehrere auf — sollten die Führung in der Wegbereitung der palästinischen Volksvertretung in die Hand nehmen; denn auf die Dauer kann sich die Palästinaregierung — sie soll ja das Mandalsland (A-Mandat) zur völligen Selbstverwaltung leiten (§ 22 der Satzung des Völkerbundes) — dem Drängen der arabischen Kreise nach einem Parlament nicht entziehen, mögen auch augenbucklioh alle solche Pläne von der Regierung zurückgestellt worden sein. Den Zionisten müßte in dieser Frage ein Entgegenkommen weit leichter möglich sein als beim Problem der jüdischen Arbeit, und es würde gute Früchte zeitigen. x) Dazu Ausführliches mit vielen Literaturnachweisen bei Erich Topf, „DieStaatenbildungen in den arabischen Teilen der Türkei seit dem Weltkriege nach Entstehung, Bedeutung und Lebensfähigkeit", Hamburg 1929, S. 69 f. 508