Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 501 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina So wird man zu einer Reihe von Mitteln greifen müssen. Verschiedene Vorschläge zielen darauf ab, in den Volksschulen der zionistischen Organisation schleunigst Unterricht im Arabischen, der bisher völlig fehlte, einzuführen 1), in den anderen Schulen den arabischen Unterricht in größerem Ausmaß als bisher zu betreiben. Eine arabische Abteilung bei der Palästinaexekutive wird von einzelnen gefordert Manchen scheint die Zeit gekommen, gerade jetzt eine Art feierlichen Garantievertrag mit dem arabischen Volke zu schließen (Markus Reiner in der „Jüdischen Rundschau", Nr. 76, 6. September 1929, S. 455). Es tauchen auch Pläne auf, Palästina, ähnlich wie die Schweiz, in arabische und jüdische Zonen aufzuteilen, so daß beide Völker, völlig selbständig, sich nicht ins Gehege kommen können. Andere wieder erhoffen alles von den Berührungen der Kolonisten mit den Fellachen und versprechen sich viel von systematisch gepflegten Freundschaften. Andere meinen, daß ein planmäßiges medizinisches Hilfswerk (Wanderkliniken) die guten Instinkte der Araber wecken und wachhalten würde. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Islamkunde, mit der Geschichte, den Sitten und Gebräuchen der palästinischen Araber wird ebenfalls angeraten. Die Exekutive soll Zeitungen in arabischer Sprache erscheinen lassen. Die Arbeiterorganisationen, die zeitweilig sogar ein Blättchen in arabischer Sprache herausgaben, sollen sich mehr als bisher um die arabischen Arbeiter kümmern — kleine Ansätze zu solcher Tätigkeit sind seit einigen Jahren vorhanden —, um vielleicht durch gewerkschaftliche Beziehungen Brücken zu den arabischen Kollegen zu schlagen. Die Bildung eines Klubs wird angeregt, in dem arabische und jüdische Persönlichkeiten sich treffen sollen. Sind die Führer miteinander bekannt, so werden — bei der Bedeutung des Führers im Orient — auch die Massen sich allmählich finden. Die Amerikaner fordern das Radio möglichst für jedes Haus und jede Fellachenhütte, um dem des Lesens unkundigen Bauern nicht minder wie dem bildungsbeflissenen Städter Nachrichten aus der Welt, Vorträge, Musik, aber auch Aufklärung über Judentum, Zionismus und dergleichen zuzuleiten. Viele brauchbare Gedanken Hegen in allen diesen Vorschlägen. Ernster Wille, geschickte Hand sind bereit, sie und vielleicht noch andere, bessere durchzuführen. Bang fragt sich aber der Beobachter: können diese Mittel x) Dazu: Alfred Wiener, „Kritische Reise durch Palästina", 3. Aufl., 5. 65, 67. Auch: Moses Waldmann, „Was zu fordern ist", Jüdische Rundschau, Nr. 76, 6. September 1929, S. 45/i, und andere. 500