Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 499 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina Wie man in den Wald hin einschrie, so schrie es also heraus. Es ist nur erfreulich, daß die hebräische Arbeiterzeitung „Dawar" von diesem Schmähgedicht sofort deutlich abrückte, ein Vorgehen, dem sich auch die „Jüdische Rundschau" (Nr. 75, 24. September 1929, S. 498) anschloß.1) Eine Frage ist allerdings an die Zionistische Organisation, an die Exekutive zu stellen. Die Revisionisten sind nicht in der Exekutive vertreten, verwerfen und bekämpfen deren Politik. Die Außenwelt aber ist allzu sehr geneigt, den Revisionismus für den offiziellen Zionismus zu halten. Die Einheit, die Einigkeit einer Organisation zu bewahren, ist ein gutes und wichtiges Gesetz, aber nicht immer das oberste. Hätte die Exekutive nicht klug daran getan, rechtzeitig zwischen sich und den Revisionisten einen dicken Trennungsstrich zu ziehen? Der Brith Schalom. Der stärkste Widerpart der Revisionisten ist der Brith Schalom (Friedensbund). Schwören die Revisionisten auf die Macht der Legion, auf die Politik der starken Hand, so erwartet der Brith Schalom, hinter dem Männer wie Arthur Ruppin, Hugo Bergmann, Hans Kohn, Ernst Simon, auch gesinnungsgemäß die führenden deutschen Zionisten, an Presse die „Jüdische Rundschau", die Prager „Selbstwehr" stehen, von einer friedlichen Verständigung zwischen Juden und Arabern allen Segen. Verficht der Revisionismus laut und eindeutig die auf ewig unabänderliche Theorie vom „Judenstaat", so der Brith Schalom die von einem „binationalen Staate", und klar verkündet er: „Beide Völker sollen in alle Ewigkeit gleiche Rechte genießen, keines soll herrschen und keines soll dienen".2) Daß der Doar Hajom, das Organ der Revisionisten, diese kleine mutige Gruppe (sie soll nur 3o—35 Anhänger haben [andere behaupten gegen 100], 1) Das revisionistische Organ in Deutschland „Hed Bethar", Blätter der Brith Trumpeldor (1. Jahrg., September 1929, Sondernummer) bringt einen ungewöhnlich scharfen Aufsatz Richard Lichtheims „Was tut not?" gegen die Verständigungspolitik der »Jüdischen Rundschau" und des deutschen offiziellen Zionismus. Darin sind Sätze wie: „Diese Schande (ein Aufsatz Dr. Hugo Bergmanns im „Prager Tagblatt") soll für immer vermerkt bleiben . . . Ich klage die „Jüdische Rundschau" und die Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland an, und ich werde diesen Instanzen, die den Zionismus verderben, den Prozeß machen!" Er spricht von „vergifteter Kampagne", „niedrigsten Mitteln" und schließt: „. . . Möchten die deutschen Zionisten sich von der geistigen und politischen Führung jener Narren und Schwätzer befreien, die den deutschen Zionismus zum Gespött der Welt machen." 2) Programm in „Palästina", Monatsschrift für den Aufbau Palästinas, Wien 1929, XII. Jahrgang, Nr. 1, S. 36/37. 498