Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 497 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina Damit aber nicht genug, erschien noch Anfang 1929 von dem wirtschaftlichen Sachverständigen der Revisionisten J. Schechtmann eine Broschüre {..Die jüdische Irredenta. Transjordanien und Palästina", Paris 1929), die -die Geschichte Transjordaniens seit Kriegsende behandelt, das angebliche Drunter und Drüber im Lande malt, die vermeintliche Unfähigkeit des Emirs Abdullah darstellt und den Standpunkt vertritt — Trans jordanien für den jüdischen Staat, lautet ja die revisionistische Programmforderung —, nur jüdische Einwanderung könne dem Lande Heil bringen. Bei allen diesen Ausführungen erhalten natürlich Weizmann und seine Exekutive die entsprechenden Seitenhiebe. Die Sprache des Doar Hajom kann der Leser sich nach diesen politischen Proben wohl vorstellen. Selbst wenn ihr wegen der Herausforderungen arabischer Zeitungen manches zugute zu halten ist, — allzu oft fehlen ihr Zaum und Zügel. Und, es sei wiederholt, die Araber lasen und lesen jeden Aufsatz und fabrizieren daraus die Waffen, die sie gerade benötigen. Am 5. August 1929 wurden in einem Aufsatz die Aufgaben der Jugend im nationalen Palästina mit flammenden Worten gekennzeichnet. So heißt es u a.: „... Nach alledem sieht der Jischuw im Lande, mit ihm die Jugend vor dor beschämenden Tatsache, daß unsere teure Mauer geraubt wurde . . . Sie sind in tiefes Schweigen versunken. Erstarrt, ihr Himmel, darüber!... Sind die Ohren der Jungen wirklich verstopft, daß sie das Stöhnen der Alten im Volke Jerusalems, das hinaufsteigt und hineindringt in den Himmel, nicht hören? Sind die Augen der Jungen blind, daß sie die Fremden nicht sehen, die beim Lichte der Sonne und unter den Augen der Alten unseres Volkes und der ganzen Welt das Heiligtum, das uns gehört, verunreinigen . . .? Ist es zu glauben, daß unter den 20 000 Jugendlichen von Dan bis Beerseba nicht einer sich fand, der das Panier der Revolution erhob, um dem Schrecklichen ein Ende zu setzen ...?" So oder ähnlich geht es dann noch ein beträchtliches Stück weiter. Daß der Klagemauerstreit für die Revisionisten nur ein politischer Kampf, kein religiöser ist, liegt auf der Hand. Der Leitaufsatz vom 26. Juli 1929 läßt darüber keinen Zweifel: „Die Klagemauer ist ein religiöses Heiligtum der Juden seit Tausenden von Jahren. Wer sich in die Frage nicht vertieft, könnte zum irrigen Schluß kommen, daß es sich hier nur um einen religiösen Streit handelt Eine solche Schlußfolgerung ist durchaus unrichtig. Es handelt sich hier nicht um einen religiösen Streit oder religiösen Kampf. Die schwere Wunde, die uns geschlagen wurde, gilt der politisch-zionistischen Front" Es ist begreiflich, daß gesetzestreue Kreise, z. B. die nichtzionistischen um Rabbi Sonnenfeld in Jerusalem, die des Frankfurter 496