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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 494

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Juden und Araber in Palästina
Date
1929-12-01
Page
494 (sequence 19)
Language
German
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II. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern Freudennachricht in dieser Masse ein Echo auslösen mußte, das tausendfach stärker war, als die Absicht derer, die sie ausgaben, gewesen sein mag; daß gerade die Kleinigkeiten, das Drum und Dran, die Imponderabilien, die Mache, die geschmückten Zimmer, die überreichten Thorarollen, die Bankette und die Segenssprüche usw. usw. stärker auf sie wirkten als die rein politischen Nachrichten und Reden. Durch die ganzen letzten zwei Jahre hindurch hat man die jüdische Masse in immer stärkeren Jubel hineingetrieben; hat man sie in den Glauben gebracht, Palästina sei unser. Auf jeden neuen Pogrom, auf jeden neuen Schlag reagierte sie mit der Hoffnung: Palästina; Palästina ist ihr Schutz, Rettung, Heil und Erlösung; und nicht für spätere Zeiten oder gar für künftige Generationen, nein, schon heute und morgen .. ." Noch erschütternder wirkt gerade jetzt das, was kein anderer als Ach ad Ha am (1920) ausgerufen hat („Am Scheidewege", Gesammelte Aufsätze. Berlin 1923. Bd. I, S. 37): „. . . Aber wissen wir nicht alle, wie die Deklaration bei ihrer Veröffentlichung kommentiert wurde, und was für prahlerische Übertreibungen sich viele Parteileute und Schriftsteller von damals an bis heute hinein zu interpretieren bemühten? Das jüdische Volk hörte es und glaubte, daß wirklich das Ende des Golus gekommen sei und nach einer kleinen Spanne Palästina ein Judenstaat sein werde. Auch das arabische Volk, das wir seit dem Beginn der palästinensischen Kolonisation immer als nicht existierend betrachtet hatten, hörte es und glaubte, daß die Juden kämen, um es von seinem Boden zu verjagen und nach ihrem Belieben mit ihm zu verfahren. All das mußte notwendig zu Reibungen und Erbitterung von beiden Seiten führen und hat zum großen Teil jene Lage verschuldet, die sich in ihrer ganzen Häßlichkeit durch die Ereignisse in Jerusalem an den vergangenen Pessachtagen offenbart hat." Chaluzim und Araber. „Palästina ist unser", dachte jeder Chaluz, „hier haben nur wir Heimatrecht", glaubte jede Chaluzah. Die Pioniere waren mit Recht stolz auf ihre unter schweren Bedingungen geleistete Arbeit, auf die Entsumpfungen, auf das Steinbrechen und -klopfen, auf die Chaussierung und Asphaltierung, auf den Bau europäischer Häuser und Baracken. Fast alle wollten trotz anstrengendster körperlicher Arbeit ihre geistigen Interessen nicht verkümmern lassen, wollten Organisationen, wie sie nur eine intelligente Arbeiterschaft kennt und meistert, die Krankenkasse, den Konsumverein, die Wanderbibliothek und andere, schaffen und — sie schufen sie. Wie tief unten stand in ihrer Wertskala der arabische Fellach, der in seinem armseligen verschmutzten Dorf hauste, dem kein Tropfen Idealismus durchs Blut rann, dem geistige Interessen etwas völlig unverständliches waren, der nicht schreiben noch lesen konnte, der froh war, wenn ihm ein paar lumpige Piaster von seinem Arbeitgeber zugeworfen wurden, der um jeden Pfennig sich balgte, als ständen Weltenschicksale auf dem Spiele. „So sehen die Leute aus, die uns unseren Boden streitig machen wollen^ unseren Boden, den wir mit Schweiß und Blut uns errungen haben!" dachten die meisten der neuen Einwanderer. Eine unüberbrückbare Kluft tat sich 493

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