Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 493 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina sträflicher Versäumnis die letzten zehn Jahre hindurch keinerlei praktische Annäherungspolitik in Palästina getrieben. Sollte es nicht vielleicht so sein, daß man von vornherein an wirklichen Erfolgen einer solchen Politik stark zweifelte, daß man die Zeit und das Geld für mehr Erfolg verheißende Zwecke glaubt? anwenden zu müssen, daß man letztlich jede politische Sicherung und damit auch jeden Ausbau der Heimstätte vor allem durch verstärkte Einwanderung erhoffte? Erwartete man vielleicht alles von der Erhaltung bester Beziehungen zu England, von dem man wähnte, daß es sein Schwergewicht den Arabern gegenüber mit bewährtem englischen Geschick stets zugunsten der Heimstätte in die Wagschale werfen würde? x) Die Wirkung der Balfourerklärung. Die Balfourerklärung war 1917 veröffentlicht worden. Weidmanns und Sokolows weitergehende Forderungen an die englische Regierung, ganz Palästina zur jüdischen Heimstätte zu erheben, waren bei den Versailler Verhandlungen abgelehnt worden. Für den Politiker waren damit die Ziele der englischen Politik deutlich abgesteckt War auch der zionistische Erfolg groß, sehr groß anscheinend, — es waren ihm doch allzu sichtbare, allzu fühlbare Grenzen gesetzt Herzls Traum vom „Judenstaat'1 war ausgeträumt. Die Grundlagen der neuen nationalen Heimstätte unterschieden sich nicht allzu sehr von der unter des Sultans Herrschgewalt Die Eingriffe von einst (Wegnahme des Passes, dafür roter Schein, usw.) fielen fort, aber sozusagen ein Stockwerk höher konnten jederzeit Hinderungen erfolgen (Einwanderungsgesetze, Streckung oder auch Verbot der Einwanderung gemäß wirtschaftlichen Verhältnissen usw.). Immerhin, die Selbstverwaltung war beträchtlich erweitert, die Mächte erkannten den Mandatsvertrag für Palästina und damit auch die Heimstätte an. Diese Errungenschaften waren gewiß für den Zionismus ein Anlaß zu herzlicher Freude. Der ungeheure Jubel aber, der, von den Führern gestärkt, die ganze zionistische Welt durchbrauste, fand keinerlei Warner, die harten, unüberwindlichen Gegebenheiten nicht zu übersehen. Der Zionist Nachum Goldmann schreibt („Bilanz der zionistischen Politik", Heidelberg, 1921, S. i4): „. . . Wie durfte man mit ihr (der jüdischen Volksseele) in einer Weise umgehen, die selbst gesunde, starke Völker nicht vertragen -würden? Begieift man denn nicht, daß jede *■} ..Englands Mandat bietet uns den ungeheuren Vorteil, daß wir geschützt sind, solange die Araber sich nicht von unserer guten Absicht überzeugt haben" (Felix W e 11 s c h , „Judenfrage und Zionismus", London 1929, S. 21). 492