Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 495 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina zwischen ihnen und den arabischen Fellachen auf. Gewiß wurden in dieser Kwuzah, bei jener Gdud hier und da arabische Freundschaften geschlossen. Sobald der Jude einen Araber in Not und Unglück sah, sprang er ihm bei. Aber die geschichtlichen Bedingtheiten würden zwangsläufig auch bei weniger idealistisch und weniger national gestimmten Juden eine starke Geringschätzung der arabischen Bevölkerung ausgelöst haben. Wie mußte sich das nationale Selbstgefühl bei den jüngeren, aus osteuropäischen Ländern stammenden Einwanderern übersteigern, die bisher weder politisch noch national sich so frei entwickeln konnten, wie es ihnen, den allgemein gefeierten Pionieren des Aufbaus, hier ohne jede Hemmung möglich war! Weit schärfer urteilt der Zionist Eugen Höflich („Die Pforte des Ostens", Berlin 1923, S. 27/28): „. .. Der ganze Apparat wurde aus Europa hinübergenommen, selbst Gefühlskomplexe und Gedankengänge, Machtwahn und das Unvermögen, demütig zu sein. So konnte es schließlich kommen, daß eine weiß-blaue Fahne, ein blau-weißer Stoffetzen auf einem elenden Fischerboot ein wichtigeres Ereignis als das Auftreten der ersten antijüdischen Agenten wurde; der Machtwahn, der aus englischen Bajonetten blitzte, war zutiefst in den jüdischen Gehirnen verankert. Der Eingeborene wurde zum Nativ in der Mentalität derer, die doch aus ihrem Programm heraus in Palästina Natives werden sollten, er wurde zum Nativ in der abscheulichen, verächtlichen Bedeutung, die der Kolonialfreibeuter dem Worte gab, und aus einer — leider verständlichen — Blickbeschränktheit erwuchs das größte Übel, das alle Anstrengungen zunichte machen muß: der Chauvinismus, die Herrengeste einer Gruppe, von der sich nicht einmal die Arbeiterparteien immer freihalten konnten." Die Revisionisten. Das Schlimme aber war, daß — schon Höflich spielt darauf an — dieser jugendliche nationalistische Sturm und Drang bald parteimäßig gebunden, damit sanktioniert und, statt zurückgedämmt, aufbewahrt und gesteigert wurde. Wladimir Jabotinsky ist gewiß, wie der Volksmund sagt, „ein ganzer Kerl". Daß er, „der Löwe der Opposition", an dessen Lippen Freund und Gegner bei seinen Kongreßreden hängen, mit seiner revisionistischen Partei, mit seiner russischen Zeitschrift „R a s s w j e t" x) und jetzt mit seiner Ein deutsches Heft erschien in Berlin 1925. — Programm auch „Jüdische Rundschau", 3o- November 1926, Nr. 94, S. 680. — Neueste Programmschrift „Basic Principles of Revisionism", London 1929. Eine äußerst scharfe Kritik an Jabotinsky und seinen Plänen („politischer Harlekin" . . . „Flintengedanke, der selbst die jüdische Ethik militarisieren will" . . .) bei Hoeflich, S. 117 ff. — Lesenswert die Geschichte des Zion-Mule-Corps, der Legion usw. bei Wl. Jabotinsky, „Vom Nil zum Jordan", Erinnerungen aus dem Weltkriege, in „Menorah", Jüd. Familienblatt, Wien 1928, Nr. 1 ff. Buchausgabe angekündigt. — Dazu Joseph Trumpeldor, „Tagebücher und Briefe", Berlin 1925, S. 109 ff., und das (vergriffene) Werk des Obersten John Henry Patterson „With the Judaeans in the Palestine Campaign", New York 1922. 494