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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 492

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Juden und Araber in Palästina
Date
1929-12-01
Page
492 (sequence 17)
Language
German
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II. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern schlag zeigt doch deutlich, daß die zionistischen Führer die arabische Gefahr damals nicht in Rechnung stellten; denn, was auf arabischer Seite erfolgt wäre, wenn ganz Palästina als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes unzweideutig anerkannt, ja „wiederhergestellt" worden wäre, das läßt sich allerdings heute, nicht nur nach den letzten Unruhen, leichter sagen, als damals am grünen Tisch der Friedenskonferenz. Die Politiker konnten ja damals, in einer Zeit, wo der Glaube an die Allmacht des Soldaten und des Maschinengewehrs in den Gemütern festsaß, nicht ahnen, mit welchen andern wichtigen Faktoren sie notwendig rechnen mußten. Immerhin müssen aber Weizmann und Sokolow eine unerschütterliche Zuversicht zur englischen politischen Macht und Energie gehabt haben, da sie, die die Probleme doch auch genau übersahen, sozusagen alles auf die englische Karte setzten. Sie waren doch gewiß nicht ganz unvertraut mit den antizionistischen Stimmungen im arabischen Orient, die doch schon damals in Palästina und Syrien herrschten. Die vom Präsidenten Wilson eingesetzte amerikanische Kommission, die nach einer wechselvollen Geschichte Paris Ende Mai 1919 verließ mit dem Ziele, die Volksstimmung in Palästina und Syrien zu erkunden, und ihren (bis heute noch teilweise geheimgehaltenen) Bericht im August 1919 der Friedenskonferenz vorlegte, sagte u. a.: „Die Friedenskonferenz sollte über die Tatsache, daß das antizionistische Empfinden in Palästina und Syrien intensiv und nicht leicht zu nehmen ist, nicht hinwegsehen. Keiner von den britischen Offizieren, die von den Kommissaren zu Rate gezogen wurden, glaubte, daß sich das zionistische Programm anders als durch Waffengewalt durchführen ließe ..." x) Dies wurde ausgesprochen, obwohl doch damals nur die Balfourerklärung vorlag. Es hieße einem Politiker vom Range Weizmanns zu nahe treten mit der Meinung, er, die Exekutive, hätten aus Lauheit, aus Unkenntnis oder gar aus jüdisches Dokument des Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association, das im Mai 1917 während der Vorbereitungen für die Balfour-Erklärung erschien, und durch dessen Veröffentlichung die Vorsitzenden beider Körperschaften, Alexander und Montefiore, zurücktreten mußten, in J.de V.Loder „The truth about Mesopotamia Paleslinc and Syria", London 1923, S. ig6.— Beachtung verdienen auch die Ausführungen des Antizionisten Henry Mergenthau „All in a life-time", London 1928, S- 889 ff. — Siehe auch „Krit. Reise", S. i43, x) Der wenig bekannte Bericht in Woodrow Wilson, „Memoiren und Dokumente über den Verlrag zu Versailles", Leipzig s. a., Bd. II, S. lög ff. (Der Bericht teilweise in Samuel S aenger, „Palästinensisches", Die Neue Rundschau, Oktober 1929, S. 56o ff.) Die tollen Vorgänge, die mit der Entsendung, der beabsichtigten Zusammensetzung, den Schachzügen Frankreichs und Englands gegen die Kommission zusammenhängen, sind lehrreich, ja sogar spannend nachzulesen in den Wilson'schen Memoiren, z. B. S. i5o und vorher. 491

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