Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 491 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina Darüber wird noch an anderer Stelle zu reden sein. Es ist charakteristisch, daß der politisch erfahrene Richard Lichtheim in seiner programmatischen Schrift „Der Aufbau des jüdischen Palästina" (Berlin 1919) die arabische Frage nicht behandelt, ja die Araber kaum erwähnt Die Behandlung des arabischen Problems in Arthur Ruppins weit umfangreicherer Programmschrift „Der Aufbau des Landes Israel" (Berlin 1919, S. 12 Ii—135) enttäuscht, da hier die Einstellung der Araber zu sehr mit europäischen Augen gesehen wird und da das etwas konstruierte Für und Wider gewissermaßen im luftleeren Raum schwebt, weil damals die praktische Erfahrung fehlte. Lichtheim und Ruppin werden absichtlich hier erwähnt, weil sie beide, damals in offizieller Stellung, als hervorragende Sachkenner zu gelten haben. Im ganzen muß der gerechte Beurteiler feststellen, daß die offizielle zionistische Politik sich praktisch mit dem Araberproblem herzlich wenig befaßt hat. Zeitweilig bestand in der Palästina-Exekutive eine Art arabischer Abteilung; ihre Wirksamkeit aber war gering. Es ist auch nicht ungerecht, zu behaupten, daß sich in den Forderungen der zionistischen Führer bei den Friedensverhandlungen in Paris eine starke Geringschätzung der arabischen Frage offenbarte. Bekanntlich hatten Weizmann und Soko 1 ow viel weiter gehende Forderungen, als die Balfourerklärung sie wiedergibt, gestellt. Die Worte „Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk" sollten „Wiederherstellung Palästinas als der nationalen Heimstätte" lauten; der zweite Teil der Erklärung, der klarstellt, daß die Rechte nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina nicht angetastet werden dürfen, und daß die Stellung der Juden in anderen Ländern durch die Errichtung der Heimstätte nicht beeinflußt werden darf, sollte, weil selbstverständlich, fortfallen. Es sei zugegeben, daß Wilson und der einflußreiche englische Orientpolitiker Sir Mark Sykes, angeblich auch eine Zeitlang das englische Kabinett, einer anderen, den zionistischen Forderungen wohl ganz entsprechenden Formel zustimmten, und daß die Regierung sich, wie es heißt, nur auf starken Druck maßgebender englischer Juden zur weit gemäßigteren Balfourerklärung bequemte.1) Wie dem auch sei, der erste zionistische Vor-!) Diese Stellen gemäß „Zur Vorgeschichte der Balfour-Deklaration" von Dr. N.M. G elber in „Zehn Jahre Balfour-Deklaration", eine Sammelschrift. Wien 1927, S. 6 ff. — Dazu noch „The Peace Conference Paris 1919". Report of the Delegation of the Jews of the British Empire. London 1920, mit wertvollem, teilweise unbekanntem Material (S. i5, A7, 60, na—116) und „Aus dem polit. Bericht der Exekutive" (an den XII. Kongreß), „Jüd. Rundschau". Nr. 70 vom 2. IX. 21, Nr. 71 vom 6.IX.9I. — Ein interessantes antinational- 490