Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 486 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die Klagemauer des Völkerbundes gerichtet und tat weitere geeignete SchriUo in dieser delikaten Angelegenheit.1) Aber die Heißsporne mußten selbst handeln, aufgeputscht durch die Aufsätze des Doar Hajom. Unter Führung Dr. Josef Klausners bildete sich später ein „Für die Klagemauer"-Ausschuß2), der den verantwortlichen zionistischen Organisationen in einem Flugblatt rücksichtslos vorwarf, „ihre Furcht habe die nationale Bewegung erstickt" (Jüdische Rundschau, 3o. VIII. 1929, Nr. 68: „Vor Beginn der Kämpfe"). Die Sprache des Flugblatts aber findet ihre sie überbietende Ergänzung im Doar Hajom selbst. Wir geben eine Probe aus einem Aufsatze von 11 a m a r b e n xA v i (26. Juli 1929): „Schon ein Jahr, daß der Klagenmauerskandal forlgesetzt wird. Fortsetzung ist nicht der richtige Ausdruck. Der Skandal erneuert sich von Tag zu Tag, nimmt immer neue Formen an, und keiner achtet darauf. Der letzte Überrest unserer großen Vergangenheit entgleite^ unseren Händen. Eine Schicht nach der anderen wird errichtet, Stein auf Stein, und rings um unsere Mauer . . . werden wir bald nicht mehr eine Quadratelle besitzen . . . Noch kurze Zeit und das Ganze wird in eine Kloake verwandelt. . . Auf der obersten Schicht, auf der Moriahflache — Prachl und Herrlichkeit für eine fremde Gottheit. . . Wo sind jene Tage (nach dem Versöhnungstage 192S), wo die Gemüter bis zum Sieden erregt waren, weil die Frevler es gewagt hatten, ihre unsauberen Hände auf den Überrest unserer Vergangenheit zu legen . . . Wenn unsere Führer im Dunkeln tasten, kein Verständnis für unsere Demonstrationen hatten, so waren wir doch wenigstens in unseren Augen und in denen unserer Nachbarn eine lebende, stürmende Masse. . . ." Glücklicherweise denkt die Mehrzahl der Zionisten in Palästina anders.3) Abgewogen und verantwortungsvoll klingen die folgenden Ausführungen B e i - linsons im Arbeiterblatt „Dawar" vom 20. August 1929 (nach Jüd. Rundschau v. 3o. August 1929, Nr. 68), wenige Tage vor den blutigen Unruhen: ,,. . . Die Klagemauer ist ... das einzige Objekt in Palästina, das zu einem religiösen Zusammenstoß der Nationen in Palästina führen kann. Gewiß ist auch sonst bei der Lösung irgendwelcher Schwierigkeiten ein friedlicher Ausgleich der Interessen herbeizuführen, aber es ist geradezu ein elementares Gebot der Vernunft, jeden Konflikt in der religiösen Sphäre zu vermeiden. Der Grund für diese Vorsicht ist leicht einzusehen. Die palästinischen Araber sind zurzeit noch keine Nation in dem üblichen Sinne des Wortes. Das Band, das sie untereinander verknüpft, ist in erster Linie ein religiöses. J) Text z. B. „Palästina", Monatsschrift für die Erschließung Palästinas, Nr. n/12, Nov./Dez. 1928, S. 528. — Dazu: „Jüdische Rundschau", 27. August 1929, Nr. 67: „Klagemauerfrage und Mandatskommission". 2) Die Mohammedaner bildeten nach dem i5. August, dem Tage der jüdischen Demonstration, einen Verein zum Schutze der mohammedanischen Heiligtümer und eine Gesellschaft der „Ritter des Burak" (nach Privatnachrichten). 3) Die Revisionisten haben („Kongreßzeitung, Organ des XVI. Zionistenkongresses Nr. 10, 9. August 1929, S. 102) bei den letzten Kongreßwahlen von 25 736 in Palästina abgegebenen Stimmen nur 2687 erhalten. Daß bei einer jüdischen Bevölkerung von rund iSoooo Seelen in Palästina nur 25786 Stimmen überhaupt abgegeben wurden, ist äußerst auffällig. 485