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Der Morgen · 1929-12-01 · Heft 5 (Dezember 1929) · p. 485

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 5 (Dezember 1929)
Article
Juden und Araber in Palästina
Date
1929-12-01
Page
485 (sequence 10)
Language
German
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina Jerusalemer Tageszeitung Doar Hajom (Nr. 263 vom 26. Juli 1929) entnommen sind. Aus der Zeichnung ergibt sich jedenfalls, daß die baulichen Veränderungen, die von mohammedanischer Seite im Klagemauerbezirk vorgenommen wurden, beträchtlich sind. Wenn auch die Palästinaregierung — sogar nach juristischen Gutachten — überzeugt war, daß sie diese Bauten nicht verhindern könne, so wäre wohl ein gewisser moralischer Druck auf den Mufti, angebracht gewesen, mit dem Ziele, die Arbeiten bis zur Beruhigung der noch vom Zwischenfall am Versöhnungstage 1928 her verbitterten Juden zu vertagen. Jahrzehntelang bestand ja keine Notwendigkeit, an der Westmauerseite Aufbauten und Durchbrüche vorzunehmen. Daß der mohammedanische religiöse Führer selbst so einsichtig und so friedfertig gewesen wäre, hätte auch nahegelegen. Der Höchstkommissar bemühte sich allerdings um eine Verständigung zwischen Juden und Arabern („Jewish Guardian", 2 5. Oktober 1929, S. 7), aber er scheiterte mit seinen guten Absichten. Die Fanatiker auf beiden Seiten. Viel schlimmer war, daß nach solchen Ereignissen die törichten Fanatiker auf beiden Seiten ihren Weizen in der Blüte stehend wähnten. Welche hochtrabenden Worte, welche Herausforderungen konnte man im Doar Hajom, dem Jerusalemer Organ der Revisionisten1) lesen! Und arabische Zeitungen standen darin nicht nach. Die Palästinaexekutive ging ob der heiklen, unabsehbaren Zündstoff enthaltenden Fragen behutsam vor. Aber die Demonstrationen waren schon 1928 nicht zu verhindern. Und gewisse zionistische Kreise machten aus der religiösen Angelegenheil allmählich eine politische Machtfrage: in einem Lande, wo die Juden etwa 170/0 der Einwohner ausmachen2), in einer Frage, um derentwillen die gesamte mohammedanische Welt wie ein Mann gegen sie aufstehen mußte, einer Regierung gegenüber, dessen höchster Beamter ihren Führern geraten hatte, „that their best course of action was to be silent on this question and not to fül their newspapers with attacks in Government and the Moslem authorities" (Jewish Guardian 2 5. X. 1929, S. 7). Die Zionistische Exekutive hatte Anfang November 1928, kurz nach dem Vorfall am Versöhnungstage, eine energische Eingabe an die Mandatskommission x) Näheres über diese Partei S. £94. 2) Bevölkerungszahl Palästinas am 1. Juli 1928: rund 661 000 Mohammedaner, 100000 Juden, 78 000 Christen, 9000 Andersgläubige. 484

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