Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 479 (sequence 4)
- Language
- German
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I. Die Riagemauer Die Bedeutung Jerusalems und des Tempelplatzes im Islam. „I turn to an aspect of the affairs of Palestine which is among the most important and perhaps most difficult, that relating to the care of the Holy Places." (Herberl Samuel, Report 1920—25, p. 4S.) Nichts Gefährlicheres konnte der palästinischen Judenheit zustoßen, als daß sich die schweren politischen Gegensätze zwischen Arabern und Juden an einem Gegenstand höchster religiöser Verehrung für jeden Islambekenner, dem Tempelbezirk in Jerusalem, zu dessen Westmauer der Klagemauerstreifen gehört — eine Skizze dazu S. 483 — entzündeten. Einsichtsvolle Zionisten, die verantwortliche Leitung besonders, haben alsbald erkannt, zu welchem verheerenden Brande ein „Kampf um die Klagemauer" führen mußte. Demi welche überragende Wertschätzung genießen Jerusalem und der Tempelbezirk im Islam! Ihn, wenn auch nur scheinbar und gemäß falscher Gerüchte von jüdischer Seite antasten wollen, heißt den sonst gleichgültigsten Fellachen sich zum Todfeinde machen, die Gegnerschaft der gesamten islamischen Welt mit einem Schlage hervorrufen. Die berühmte Nachtreise des Propheten Mohammed auf dem Flügelrosse Burak von Mekka nach Jerusalem zur Aksa-Moschee des Tempelplatzes1) erzählt schon die 17. Sure, die „Nachtreise", des Korans. Der Prophet besucht den heiligen Fels. Er trifft da die früheren Propheten. Von dort steigt er in den HimmeL Religiöse Hingabe hat diese Reise mit einem Kranze von Legenden ausgeschmückt Jede Möglichkeit, Erinnerungen an dieseu die islamische Tradition so stark beherrschenden Prophetenbesuch im Tempelbezirk festzuhalten, wurde wahrgenommen. Dort, so erzählt der Führer durch den Tempelbezirk, hat der Prophet gebetet, hier ist er gen Himmel gefahren, drüben ist noch seine Fußspur. Dicht bei der Klagemauer wird in einem unterirdischen Raum, von den Mohammedanern die „Burak - Moschee" genannt, die Stelle gezeigt, wo der Erzengel Gabriel das Flügelroß J) Dabei ist es für das Ansehen der Aksa-Moschee und des heiiigen Bezirks gleichgültig, ob in der 17. Sure wirklich mit dem Ziel der Nachtreise, der „äußersten Moschee", die seit langen Zeiten so genannte Aksa oder äußerste Moschee ursprünglich gemeint ist, was neueie Forschungen bestreiten. Dazu: B. Schrieke, Die Himmelreise Muhammeds, in „Der Islam", Bd. VI, 1910, S. i3, und J. Horovitz, Bd. IX, 1919, S. 166/7. 479