Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 480 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina mit dem menschenähnlichen Haupt festband.1) Nahebei liegt das (in letzter Zeit durch die Westmauer gebrochene) Buraktor, durch das der Tempelplatz mit der Klagemauerstraße verbunden wurde. Nach diesen frommen Geschichten wird wohl dieser Teil des Tempelplatzes, den also eine bei den Mohammedanern besonders beliebte Überlieferung schmückt, Burak genannt, — eine Feststellung, die von den Juden ernst zu beachten ist Und der Tempelbezirk selbst! Eine ganze Reihe früher, verbindlicher Traditionen spricht aus, daß Pilgerfahrten nur nach Mekka, Medina und Jerusalem erlaubt seien2); dieser Ausspruch des Propheten wird sogar mit dem Zusatz versehen, „ein Gebet auf dem Tempelplatz in Jerusalem ist besser als tausend Gebete in anderen Heiligtümern." Ja, es gab Zeiten, wo, allerdings aus politischen Gründen, die Wallfahrt nach Jerusalem zum Heiligen Fels die nach Mekka ersetzen konnte.3) Dies bedeutet eine ungeheure Bevorzugung des Jerusalemer Tempelbezirks! Gehört doch die Wallfahrt nach Mekka zu den fünf, an den wahren Moslem zu richtenden mierläßlichen Forderungen. Dabei muß hervorgehoben werden, daß die Hauptstadt all der arabischen Sultane niemals Jerusalem, sondern Ramleh gewesen ist. Auch die Bedeutung Jerusalems und besonders des Tempelplatzes für den Mohammedaner am Tage des jüngsten Gerichts hat in zahlreichen Schriften und Legenden ihren Niederschlag gefunden. Begeistert schreibt der um o,5o lebende arabische Geograph Mukaddasi, dem Namen nach allerdings ein Sohn der heiligen Stadt, daß am jüngsten Tage Mekka und Medina nach Jerusalem kommen werden und die Herrlichkeit aller drei dann dort vereinigt sein wird. (Guy le Strange, Palestine under the Moslems..., London 1890, S. 84.) Der Abglanz des Tempelbezirks fiel auf die Stadt Jerusalem zurück. Zahlreiche arabische Schriften singen das Lob der heiligen Stadt Die Preußische Staatsbibliothek besaß schon Anfang der 90er Jahre gegen 5o arabische Handschriften, die sich ausschließlich mit Jerusalem befassen. Weitere beschäftigen sich damit in einzelnen Abschnitten. Diese willkürlich gewählte Probe beweise nur, welche Rolle Jerusalem im Islam spielt Statt weiterer Erörterungen sei nur noch eine Tradition wegen der innigen Liebe zu Jerusalem, die aus ihr spricht, angeführt; es sagt der Prophet: „O, Jerusalem, du bist x) Dazu: J. E. Hanauer, Walks about Jerusalem, London 1910, S. 171. 2) Gesammelt bei A. J. Wensinck, A ihandbook of early Muhammedan tradition. Leiden 1927, S. 187. 3) Ignaz Goldziher, Mohammedanische Studien, Halle 1890, Bd. II, S. 35 ff. 480