Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1929)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- 478 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Wiener: Juden und Araber in Palästina 6 t r e i k , die Veröffentlichung englischer Ausgaben der arabischen Zeitungen, die mit allem Nachdruck geführte Verteidigung der arabischen Angeklagten vor den palästinensischen Gerichtshöfen durch die besten Anwälte, das alles sind Symptome einer zielbewußten Fortführung der Aktion, deren Ziel die Aufhebung der Balfourdeklaration und im weiteren Verlauf die Aufhebung des britischen Mandates ist." Mit den bedenklichen Folgen des arabischen Boykotts beschäftigt sich eingehender ein überaus emster Bericht des österreichischen Konsulats in Jerusalem, der dem österreichischen Handelsmuseum in Wien zugeleitet und von der Wiener Handelskammer ausgegeben wurde. („Die Wahrheit", Jüdische Wochenschrift, Wien, 18. Oktober 1929, Nr. £2, S. 10 und ausführlicher Nr. 43, 2 5. Oktober 1929, S. 7.) Es wird darin festgestellt, daß fast sämtliche Geschäftszweige seit dem Ausbruch der Unruhen zum Stillstand verurteilt seien. Zwei Ursachen seien dafür zu nennen: der sehr scharf durchgeführte Boykott und die abwartende Haltung der Konsumenten. Vor den meisten Läden seien Posten aufgestellt, die die Käufer warnen, ja, oft mit Gewalt zurückdrängen. Die arabische Parole lautet: „Kauft nichts von Juden außer Land! — Verkauft den Juden alles außer Land!" Sehr schwerwiegend sei der Umstand, daß die von den Arabern eingeleitete Boykottpropaganda im mohammedanischen benachbarten Ausland auf fruchtbaren Boden gefallen sei. Syrien allein soll Aufträge im Werte von 20000 Pal. Pfund zurückgezogen haben. Französisches Kapital sei mit Rat und Hilfe zur Stelle und ergreife gern die Gelegenheit, Neuland zu gewinnen. Ob es richtig ist, daß die Bewegung von arabischer Seite gar in einen planmäßigen, gegen England und Europa überhaupt gerichteten Befreiungskampf getrieben wird, wie hier und da in der Presse behauptet wird (u. a. berichtet Ka(hm-Cohen im „Mercure de France", Paris, 1. Oktober 1929, S. 5, in Gaza sei während der Unruhen die arabische Republik ausgerufen, in Haifa wichtige Waffendepots entdeckt worden) 1), scheint zweifelhaft und ist wohl eine unrichtige Folgerung aus minder bedeutenden Einzelvorgängen. Jedenfalls ergibt sich aus diesen Pressestimmen, wie bedroht nach wie vor Palästina, die jüdische Bevölkerung, die jüdischen Siedlungen sind. Welches sind die Ursachen, welches die Gründe dieses gefährlichen Zustandes? x) Kadmi-Cohen beschließt seinen umfangreichen Aufsatz (S. 53) mit dem Vorschlage, durch ein Zusammengehen der Araber, Zionisten und — Franzosen den Frieden im Orient zu &chäffen. 478