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Der Morgen · 1929-10-01 · Heft 4 (Oktober 1929) · p. 368

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 4 (Oktober 1929)
Article
Vergiftung der öffentlichen Meinung
Date
1929-10-01
Page
368 (sequence 2)
Language
German
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Ludwig Holländer auf unwahren Grundlagen beruht und sein Ziel nicht die Verbesserung irgendwelcher Zustande ist, sondern Aufpeitschung der Leidenschaften und Erregung von Haßgefühlen innerhalb der Gemeinschaft. Erscheint bei ruhiger Überlegung und Prüfung der Grundlagen die Vertretung einer Überzeugung nicht gerechtfertigt, so ist ein solcher Kampf unbedingt zu verwerfen. Meinungsverschiedenheiten wird es immer geben, und. es ist sicherlich gut, daß es sie gibt. Was den einen erregt, läßt viele andere kalt. Liebe und Abneigung werden vorhanden sein, solange es Menschen gibt Der Inhalt der Seelen wird stets verschieden bleiben. Das Ziel der Wünsche, der Weg der Menschheits-Entwicklung wird niemals von allen in gleichem Lichte gesehen werden. Diese Erkenntnis schließt aber nicht aus, daß auch im Kampfe der Meinungen eine Rationalisierung eintreten muß, die zum mindesten unnütze Reibungen vermeiden und dort Friede einziehen läßt, wo er lediglich durch den Glauben an die Richtigkeit vorgebrachter Tatsachen gestört ist. Richtung und Inhalt eines Kampfes nur bestimmen zu lassen von dem Wunsche, daß das Ziel erreicht werden möge, gleichgültig auf welchem Wege und mit welchen Mitteln, geht nicht an. Hier darf der Satz nicht gelten, daß der Zweck das Mittel heilige. Es muß vielmehr verlangt werden, daß alle sich von der Richtigkeit jedes einzelnen Beweismittels, das sie ins Feld führen, überzeugt haben. So wird es gelingen, die handgreiflichsten Unrichtigkeiten auszumerzen, wenn es auch nicht möglich sein wird, eine objektive Wahrheit zu ergründen. Auf diese Weise werden all die Lügen verschwinden, die eigens erfunden worden sind, um einer ungerechten Sache den Mantel der Gerechtigkeit umzuhängen. Die Meinung weiter Volksschichten wird aus der Belehrung durch Schule, Kirche und Tagespresse geschöpft. Sind die Voraussetzungen, die zum Urteil führen, tatsächlich falsch, so wird der Urteilsbildung die hauptsächliche Stütze entzogen. Auf der Suche nach Wahrheit im öffentlichen Leben wird man bei Nachprüfung der seelischen Grundlagen, auf denen Urteile allgemeingültiger Art zustande kommen, finden: Analysiert man bei einer weit verbreiteten Meinung die Grundlagen, so wird man in sehr vielen und entscheidenden Fällen den Beweis dafür erbringen können, daß diese Meinung nicht gebildet worden wäre, wenn nicht objektiv unrichtige und zwar nach außen hin als unrichtig leicht erkennbare Behauptungen geglaubt worden wären. Selbstverständlich gibt es eine große Reihe von Tatsachen, die auf ihren Wahrheitsgehalt nicht genau untersucht werden können. Auch wird sehr oft der Wert 368

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