Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1929)
- Article
- Gedächtnisworte für Julius Goldstein
- Date
- 1929-10-01
- Page
- 325 (sequence 2)
- Language
- German
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Gedächtnisworte für Julius Goldstein1) Von Heinridi Fridt Auch ich habe in dieser Stunde kein anderes Recht, das Wort zu ergreifen, als wie es in der schlicht menschlichen Tatsache ruht, daß schuldige Dankbarkeit laut werden darf und soll. Es läge so nahe, diesen Dank zu einer Wehklage werden zu lassen über das, was wir verloren haben. Doch im Sinne des Verstorbenen wäre das nicht. Und wenn in dieser Abschiedsstunde Freunde mit Worten seiner gedenken, so tun sie es, um die lebendigen Impulse, die von Julius Goldstern ausgegangen sind, an seiner Bahre zu bekennen und sie als sein Vermächtnis in die Zukunft hinein mitzunehmen. Was der verehrte Vorredner ausgeführt hat, stimmt überein mit dem Eindruck aller derjenigen, die den Verstorbenen näher gekannt haben. Das hat uns an ihm so angesprochen, daß die verschiedenen Seiten seines Wesens aus der einen Kernwurzel, aus seinem religiösen Glauben, hervorgewachsen sind. Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Wohl aber möchte ich — zugleich in Einhelligkeit mit einem Kreis von Freunden — davon sprechen, wie wir gewissermaßen von außen herangekommen sind, wie wir nach und nach die inneren Seiten seines Wesens kennen gelernt haben, bis wir schließlich an einer innersten Stelle ehrfürchtig Halt machten. Man soll nicht Worte machen über Freundschaft, aber in dieser Stunde ist es wohl unmißverständlich, wenn man einmal ganz persönlich und intim redet. Der Werdegang dieser Freundschaft ist die Geschichte einer Entdeckung, die ich von mir bekennen muß. Ein Gegenstück und eine Bestätigung dessen, was wir vorhin gehört haben.!) Diese Worte wurden am 28. Juni 1929 an der Bahre Julius Goldsteins gesprochen. Sic schlössen sich den Gedenkworten Max Dienemanns an, die in erweiterter Form den 1. Beilrag dieses Heftes bilden. 23 325