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Der Morgen · 1929-10-01 · Heft 4 (Oktober 1929) · p. 319

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 4 (Oktober 1929)
Article
Julius Goldstein
Date
1929-10-01
Page
319 (sequence 7)
Language
German
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Julius Goldstern Ein Lebensbild daß gerade mit den Argumenten, die die Rassenschnüffler und Völkischen gegen Art und Stellung der Juden in Deutschland vorbringen, in der antideutschen Propaganda gegen deutsche Art und die Stellung der Deutschen unter den Völkern gekämpft wird. Es wird gezeigt, wie die als wissenschaftliche Schlüsse sich gebenden Folgerungen bereits vor jedem Suchen als mstinkthafte Voreingenommenheit vorhanden sind und gefunden werden mußten, weil der Wille, sie zu finden, ausschlaggebend war. Und ferner wird in ihnen nachgewiesen, mit welcher Verdrehung der Tatsachen die Helden deutscher Geistigkeit von den Völkischen für sich in Anspruch genommen werden, und daß, wenn man recht zusieht, deren Äußerungen gerade im Gegensatz zu der ungeistigen Auffassung der Völkischen vom Sinn und der Grundlage des Nationalen und insbesondere des Deutschen stehen. Weil Kritik und Aufbau aus seinem philosophischen Denken, aus dem Willen zur Klarheit und dem Verlangen nach Wahrheit flössen, darum kam in ihnen die Sorge um die deutsche Geistigkeit zum Ausdruck, waren sie eine Arbeit für Deutschland und deutsches Geistesleben, prägte sich in ihnen die Sorge um die Erhaltung der deutschen Humanität aus. Er erfüllte damit seine Gewissenspflicht; sie erwuchs ihm aus der Selbstverständ^- lichkeit des Anteils an allem Deutschen, an deutscher Kultur, deutscher Staatlichkeit und deutschem Volkstum. Seinen Anteil an dem objektiven Schicksal deutscher Staatlichkeit nahm er bewußt auf sich, indem er im August 1914, obgleich d. u. geschrieben, sich freiwillig meldete, er war vom Anfang bis zum Ende des Krieges im Felde. Es war ein als Glück zu empfindendes Schicksal, daß ihm so die Pflicht als Deutscher und die Pflicht als Jude in eins sich fügten. Jene vom Philoisophischen her geführte Kritik an der völkischen Ideologie wirkte sich aus als eine willkommene Hilfe für den Kampf, den der Jude in Deutschland um die Wahrung und Sicherung seiner staatsbürgerlichen Stellung zu kämpfen hat. Willkommene Hilfe für die, die diesen Kampf führen aus dem Willen zu deutschem Volkstum und weil sie Jüdisch-Nationales als das Bestimmende des Judesems ablehnen. Goldstein kam zum Bewußtsein des Judeseins vom Religiösen her. Er war ein innerlich frommer Mensch. Fromm war er in dem festen Verbundenstein mit Gott. In seinem Leben, in guten und schweren Tagen -— und die schweren* Tage waren, ach, doch so zahlreich! — gab es nicht einen Augenblick, in dem j er nicht des festen Glaubens lebte, daß Gott, um mit dem Propheten zu reden,' 319 t

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