Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1929)
- Article
- Julius Goldstein
- Date
- 1929-10-01
- Page
- 313 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Julius Goldstein Ein Lebensbild Von Max Dienemann Im letzten Heft des „Morgen" konnte den Lesern nur die erschütternde Tatsache mitgeteilt werden, daß der Begründer und Herausgeber dieser Zeitschrift seinem schweren Leiden erlegen ist. Es ist nicht nur Dankbarkeit, es ist innere Notwendigkeit, daß dieses Heft, das erste, dessen Drucklegung nach seinem Heimgang begonnen wird, in einer besonderen Weise Zeugnis von ihm ablegt. Zwar der „Morgen" in seiner ganzen bisherigen Summe ist Zeugnis seines Geistes und Wollens; mehr als jede andere Zeitschrift war er geprägt von dem Willen und der Denkart ihres Leiters; wenn er auch nicht oft selbst darin schrieb, — er bestimmte die Richtung, er stellte die Fragen, er suchte und fand die Menschen, die auf seine Fragen aus ihrem Wissen und ihrer Denkart antworteten. So lange er lebte, wollte und durfte er hinter seiner Schöpfung zurücktreten. Nun soll, mit Wehmut schreiben wir es nieder, einmal von ihm selbst die Rede sein. Viele kannten ihn als Lehrer der Philosophie, mehr aber kannten ihn wohl aus seinem Wirken in den Bezirken jüdischer Geistigkeit. Dieses Heft, das seinem Andenken gewidmet ist, mag beginnen mit einer Schilderung des Mannes in seiner Arbeit und seinem Leben, seinem Werden und seinen Zielen.1) Julius Goldstern war geboren am 29. Oktober 1873 zu Hamburg. Mütterlicherseits entstammte er einer Familie, in der religiös-jüdische Geistigkeit, talmudische Gelehrsamkeit, in Forschung und Wille der Mitteilung, heimisch war. Wir kennen die Gesetze der Veranlagung und Vererbung zu wenig, aber *) Die nachfolgenden Ausfuhrungen sind, in veränderter und erweiterter Form, Wiedergabe dessen, was ich an Julius Goldsterns Bahre sagte. 313