Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Die Weltkonferenz jüdischer Frauen
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 292 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Lise Leibholz fremd. Mrs. P o 11 a k sieht einen Weg aus dieser schweren Situation in der geeigneten Berufsberatung (keine Konzentration auf kaufmännische Berufe) und Erziehung der Stellungsuchenden zu Höchstleistungen im Beruf und in strenger Korrektheit der Lebensführung. Wir haben in Deutschland gelernt, daß man mit unerbittlicher Konsequenz versuchen muß, zunächst das Vorurteil, den Antisemitismus durch Abwehr und Aufklärung zu bekämpfen. Der Gleichberechtigung und Mitarbeit der Frau in der jüdischen Gemeinde galten die Untersuchungen von Frau Ottilie Schönwald (Bochum). Die Forderungen der ersten Weltkonferenz jüdischer Frauen 1923 in Wien nach Gleichberechtigung in der Gemeinde sind überall in den ersten Ansätzen stecken geblieben. Die Stellung der Frau im rabbinischen Gesetz und Gewohnheitsübungen haben Vorurteile entstehen lassen, durch die die Frau ganz oder teilweise aus der jüdischen Gemeinde ausgeschaltet wird. Frau Sohönwald glaubt, daß die Gleichstellung der Frau in der Gemeinde sich nur günstig für die Gemeinschaft auswirken kann. Die praktische Ausgestaltung der Wohlfahrtsarbeit, der Einfluß der Frauen auf den Unterricht und die soziale Stellung der Rabbinen und Lehrer kann nur eine Bereicherung bedeuten, besonders, wenn die Frauen alle Gegensätze im jüdischen Leben zurückstellen und die praktische Arbeit zur Förderung des Wohles der jüdischen Gemeinschaft als ihre wesentliche Aufgabe betrachten. Das in Form und Inhalt hervorragende Referat gab praktische Fingerzeige für den Aufgabenkreis des Weltbundes jüdischer Frauen. Zedaka, spendende Menschenliebe, Zedaka, Gerechtigkeit, des Wortes Doppelsinn schwebt über der gesamten jüdischen Wohlfahrtsarbeit, so berichtet Frau Paula Ollendorff (Breslau) in ihrem Referat über „Soziale Frauenarbeit in verschiedenen Ländern". Im Sinne verantwortlichen Menschentums handeln, wie Martin Buber sagt, „das Antlitz Gottes wieder herausmeißeln", ist Vorbedingung für jüdisch-soziale Arbeit. Paula Ollendorff fordert: 1. Menschenwürdige Wohnungen. 2. Hauswirtschaftliche Ausbildung der Töchter vor der Berufsschulung. 3. Bessere Berufsschulung. 4. Gesundheitsfürsorge für Jung und Alt. 5. Eine schöpferische Pause der Erholung, um den Sozialarbeitern und ihren Schützlingen Freude und neue Impulse zu geben. Außerordentlich interessante Fragen schnitt Frau Caroline Wijsenbeek- Franken (Holland) an, in ihren Erörterungen über den Völkerbund und die Juden. Die Bedeutung des Palästinamandats, die Minoritätenrechte, der Schutz für Frauen und Mädchen erfordern (obwohl sie keine spezifisch jüdische Fragen sind) die besondere Aufmerksamkeit der Konferenz. Mr. S. Cohen, Assessor on the League of Nations Advisory Comittee on the Traffic in Women and Children, ergänzte die wertvollen Ausführungen durch einen interessanten Arbeitsbericht. Die Bedeutung der Kulturarbeit in Palästina wurde als zweites Thema der internationalen Angelegenheiten erörtert. Frau Anitta Müller- Cohen (Wien) entwarf mit agitatorischer Beredsamkeit ein Bild des werdenden Palästina und der Arbeit der 292