Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Die Weltkonferenz jüdischer Frauen
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 291 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895487-2899886--03722-2899990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Weltkonferenz jüdischer Frauen Umgestaltung der Lebensbedingungen und der Lebensformen." „Die Lebensbedingungen und Lebensformen der jüdischen Jugend sind durch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse besonders ungünstig geworden." Frau W r o n s k y , die die Ursachen und die Wirkungen dieser ungünstigen Lebensbedingungen ausführlich würdigte, stellte sodann ein modernes jüdisches Erziehungsprogramm auf, das eine Einwirkung auf die Lebensbedingungen und Lebensformen der jüdischen Jugend unter Verwertung aller modernen Hilfsmittel und Erkenntnisse fordert. Dr. Rosa Welt-Strauß (Palästina) berichtete Einzelheiten über die soziale Not der Juden und die Rechtlosigkeit der jüdischen Frauen in Palästina, die in großer Zahl die von Miß Hands erwähnten Schwierigkeiten am eigenen Leibe erfahren. Die nach rabbinischem Gesetz den Jemeniten erlaubte Polygamie und die Kinderehen, die Verheiratung von i3—14jährigen Mädchen mit Männern von 60—70 Jahren möglich machen, stellen den neuen Weltbund vor schwierige soziale Aufgaben in Palästina. Anitta Müller-Cohen versuchte, den erschütternden Eindruck der Schilderung von Frau Welt-Strauß durch den Hinweis zu entkräften, daß Palästina ein orientalisches Land sei, das mit orientalischen Maßstäben gemessen werden müsse. Frauen, die in der interkonfessionellen und in der jüdisch-sozialen Arbeit stehen, konnten aus dem Bericht von Mrs. B a s i 1 Qu. Henriques (England) über Settlements-Arbeit wertvolle Anregungen mitnehmen. Hinter den Worten dieser schlichten jungen Frau steht die Persönlichkeit, steht die Tat. In den Londoner Elendsvierteln, den slums, leben sie und ihr Gatte in enger Gemeinschaft mit den Notleidenden jeder Abstammung und jeden Glaubens. Das Leid ihrer Schützlinge ist ihr Leid. Der Grundgedanke aller Settlements- Arbeit ist: Nur wer mit den Hilfsbedürftigen lebt und alle Konsequenzen dieser Lebensgemeinschaft auf sich nimmt, hat das Recht, in das Schicksal seiner Mitmenschen einzugreifen. Die hygienische und wirtschaftliche Fürsorge ist interkonfessionell, nur die geistig-kulturelle Arbeit in den Klubs beruht auf religiöser Grundlage. Eine soziale Aufgabe im edelsten Sinne des Wortes ruft in der Settlements-Bewegung zur Nachahmung auf. Mrs. Francis D. Pollak (Amerika) bat um die Erlaubnis, ihr Referat über die Frau in Handel und Industrie etwas präziser „das Vorurteil gegen die jüdische Frau und die Berufsberatung" nennen zu dürfen. Die Abteilung für Berufsberatung und Stellenvermittlung des „National Council of Jewish Women" der Vereinigten Staaten befaßt sich mit den besonderen Berufsschwierigkeiten der jüdischen Mädchen. Es war überraschend festzustellen, wie ähnlich die „Vorurteile" den berufstätigen jüdischen Frauen in Amerika und in Deutschland entgegentreten. Mrs. P o 11 a c k berichtet, daß jüdische Mädchen keine Anstellung in Banken finden, die von Nichtjuden geleitet werden, in vielen Kontoren stellt man keine Jüdinnen ein, bestimmte Geschäfte nehmen keine jüdischen Verkäuferinnen und die Anstellung als Beamtin und Lehrerin ist mit Schwierigkeiten verknüpft. Leider klingt uns in Deutschland das Lied nicht 29t 20*