Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Die Weltkonferenz jüdischer Frauen
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 293 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Weltkonferenz jüdischer Frauen Frau in diesem neuen Kulturzentrum. Sie sieht die Bedeutung Palästinas darin, daß neben dem „Goluth", der Verwurzelung der Juden in Ländern und Staaten außerhalb Palästinas, ein Land existiert, in dem ihrer Ansicht nach der Jude, ohne in Verteidigungsstellung zu sein, neue schöpferische Kräfte entfalten kann. Hannah Helene Thon (Palästina) berichtet über die praktische Frauenarbeit in Palästina, über die Wiedererweckung alter jüdischer Handwerkskünste und charakterisierte in kurzen Leitsätzen die Kulturwerte des Palästinawerks. In einer Erklärung der Spitzenorganisation palästinensischer Frauenvereine (Moazat-ha-Irgunim) fordert Frau Thon die Mitarbeit des Weltbundes an dem Palästinaaufbau. Mrs. Lindheim (Amerika) versucht die Bedeutung der Jewish Agency der Konferenz nahezubringen. Frau Bial (Breslau) lehnt im Namen der deutschen Staatsbürgerinnen jüdischen Glaubens jüdisch nationale Arbeit ab, bef ürworwortet aber die charitative Arbeit für Palästina. Die Referate des großzügigen Programms der Weltkonferenz jüdischer Frauen fanden ihren Niederschlag in einer Reihe von Resolutionen, die die Arbeitsgrundlage für den Weltbund bilden werden. Die Resolutionen beschäftigen sich mit dem Friedenswerk der Völker, dem Hilfswerk für jüdische Schulen und Ausbildungsstätten, Unterweisung der Jugend in den geistigen Gütern des Judentums, Durchsetzung der Mitarbeit der Frauen in den Gemeinden, Einberufung einer Rabbinerkonferenz zur Revision des jüdischen Eherechts, Unterstützung des Aufbauwerks in Palästina, Protest gegen den numerus clausus für jüdische Studenten an den Hochschulen aller Länder, ferner mit Frauen- und Mädchenschulz, sowie bevölkerungspolitischen Maßnahmen. In einem Schlußreferat, das Sinn und Wesen des Weltbundes umriß, vollzog Rebekah Rohut den eigentlichen Gründungsakt des Weltbundes jüdischer Frauen. In den Vorstand des Weltbundes wurden gewählt: Rebekah Kohut (Amerika), Anitta Müller-Cohen (Österreich), A. Klaften (Polen), Paula Ollendorff (Deutschland), Lady Herbert Samuel (England), Caroline Wijsenbeek-Franken (Holland), Estelle Sternberg (Amerika), Sophie Abraham (Schweiz). Die Exekutive setzt sich aus folgenden Frauen ztisammen: Brenner (Deutschland), Eichholz (England), Aaron (Frankreich), Sarphati (Belgien), Minz (Lettland), Thon (Palästina), Klotz (Polen); Steiner (Tschechoslowakei), Barracz (Ungarn),. Reading (Australien). Die Gründung des Weltbundes jüdischer Frauen wird für das Judentum der Gegenwart von historischer Bedeutung sein. Die sittlichen Beziehungen der menschlichen Gemeinschaft, die in der Ethik des Judentums verwurzelt sind, können von einer solchen Tagung neue Impulse erhalten. Es wäre müßig, zu prophezeien, welchen Weg der Bund gehen wird. In den geistigen Qualitäten, dem Arbeitswillen der Bundesführerinnen und in ihrer Treue gegen das Judentum liegen Imponderabilien, die hoch eingeschätzt werden müssen. Shaw würde sagen: „Prüfet alles und behaltet das Beste". Vergessen wir eines nicht: Seinen edlen Frauen verdankt Israel seinen Bestand! 293