Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 285

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Internationale jüdische Frauenarbeit
Date
1929-08-01
Page
285 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895483-2895487-2899885--03715-2899984
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

> Internationale jüdische Frauenarbeit gestellt: der Einstrom der ostjüdischen Massen in die mittel- und westeuropäischen Länder; die gesteigerte Notwendigkeit der Auswanderung nach Amerika. Dieses Problem der Emi- und Immigration war — das wurde von Amerika deutlich ausgesprochen — der eigentliche Anlaß zur Einberufung der Wiener Konferenz 1923 gewesen, aber durch die Mitarbeit der Jüdinnen anderer Länder schon an den Vorbereitungen zum Wiener Kongreß, war von vornherein der Rahmen einer Fachkonferenz für Auswanderungswesen geweitet worden. Immerhin nahm die Erörterung der sozialen Probleme auf dieser Tagung einen sehr großen Raum ein. Neben der Auswanderung stand die Frage des Mädchenhandels, des Frauen- und Kinderschutzes im Mittelpunkt des Interesses, zwei Fragen also, die nur durch internationale Zusammenarbeit lösbar sind, und die als jüdische Sonderprobleme eine ganz besondere Einfühlung in die jüdische Psyche, in die Lage der Ostjuden, eine Auseinandersetzung über jüdische Frauenfragen und Mädchenerziehung erforderten. Ganz besonders eindrucksvoll war auch in Wien der „Austausch der Erfahrungen auf dem Gebiet der sozialen Arbeit". Man spürte, wie die Not zur Lehrmeisterin geworden war und in jedem Land ganz besondere Methoden zur Überwindung der sozialen Schäden gezeitigt hatte, und man empfand diese Möglichkeit des Einandermitteilens nach schweren Jahren des Isoliertseins als besonders beglückend. Erstmalig wurde auf dieser Tagung von den jüdischen Frauen aller Richtungen und Länder die Mitarbeit am kulturellen Aufbau Palästinas als gemeinsame Aufgabe anerkannt; und über ein Bekenntnis zur „Solidarität" hinausgehend, wurde — über nationale Verschiedenheiten hinweg — die einheitliche Basis einer „jüdisch-sittlichen Weltmission" betont. Wichtig für die Entwicklung jüdischen Bewußtseins scheint mir aber vor allem, daß man in Wien — anstatt wie in Rom zur Anteilnahme an der allgemeinen Frauenbewegung aufzurufen — die Notwendigkeit, für die Kultur der Juden in der Welt Verständnis zu schaffen, einmütig bekannte. Die fehlende zeitliche Distanz erschwert eine objektive Wertung der Hamburger Weltkonferenz. Ihr Inhalt läßt sich auch nicht, wie der der beiden anderen Tagungen, auf eine eindeutige Formel bringen, die einen Vergleich erleichtern würde. Deutlicher als Richtlinien und Programmformulierungen es tun, beweist aber die endgültige, auf einstimmigen Beschluß beruhende,, Konstituierung eines jüdischen Frauenweltbundes die Entwicklung der jüdischen Frauen zum Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit. Vielleicht mußte, so 285

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.