Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 277 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament Ringen um seine Zugehörigkeit zur mediterranen Welt im engeren Sinne, andererseits die allgemeine Vorstellungs- und Formenwelt des Alten Testaments, also die Geistesgeschichte Israels im Rahmen der vorderasiatischen Kultur gesehen werden: Aber diese Eingliederung bleibt vorläufig noch ein ideales Ziel, und zunächst muß noch die Einzelforschung in dem mehrfach besprochenen Sinn die ägyptischen, akkadischen, hethitischen Texte, vor allem aber die Texte des Alten Testaments selbst bearbeiten, ordnen und aus sich interpretieren. Es gibt einige neuere „synthetische" Werke, die viel zurückhaltender als etwa Delbrück .oder Weber, das Problem der Stellung Israels in seiner Umwelt gefördert ihaben: es seien aus der großen Anzahl hier noch drei bedeutende Darstellungen erwähnt, die Hempel jüngst Anlaß gaben, einen kurzen, aber instruktiven Abriß der Wissenschaftslage zu geben. Auf Hempels bedeutende „frömmigkeitsgeschichtliche" Arbeiten wird in einem besonderen Abschnitt noch später einzugehen sein. Da ist zuerst der Grundriß der jüdischen Geschichte von Abraham bis Herodes d. Gr. von Norman H. B a y n e s (Reader for history of the Roman Empire an der Universität London) „Israel amongst the nations" (1927); hier ist ein Beispiel für eine konservative sehr vorsichtige Beurteilung des Geschichtswertes der in der Hauptsache nach Wellhausen geschiedenen Quellen. Ferner: William Robertson Smith (weiland Professor für Arabisch an der Universität Cambridge), Lectures on the religion of the Semites (3. Aufl. herausgegeben von Stanley A. Cook; London 1927). Die eine Hauptidee von Smith ist die gemeinschaftsstiftende Wirkung des Opfermahles im gemeinsemitischen Kult; ob man mit Hempel die „vorwaltende mystischkollektive Denkart", die sich in den Vorstellungen „Bund", „Frieden", „Segen" äußert, zur gemeinsamen Charakterisierung der semitischen Religionen neben der Smithschen Grundthese beiziehen darf, kann hier nicht erörtert werden. Die Bücher der beiden Engländer mit ihren reichen Literaturangaben gehören jedenfalls zu den Veröffentlichungen, welche über das Problem der altorientalischen Umwelt der Bibel sehr zuverlässig unterrichten, besser als die vielen neueren „gemeinverständlichen" Bücher, die, abgesehen von sehr schiefen, unwissenschaftlichen, oft auch mit ungenauem Material vorgeführten Vergleichen zwischen den Kulturleistungen der Babylonier und Israeliten, eine überflüssige theologische Apologie des Alten Testaments sind. Zu den brauchbarsten, das Hauptmaterial enthaltenden Werken über die Frage „Israel unter den Völkern" gehört Benzingers Hebräische Archäologie, die jetzt neubearbeitet in dritter Auflage mit reichen Abbildungen erschienen ist. 277