Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 276 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig- Feuchtwanger gläubigen Gehorsam zusammen erst das Gesamtbild der von der Tradition verklärten inneren Haltung dieser Schicht geben. Diese aber ist unzweifelhaft eine Schicht von, als machtlose Metöken, zwischen wehrhaften Bürgern sitzenden Kleinviehzüchtern.'' Johannes Hempel, der Greßmanns Methoden noch vertieft und verfeinert hat, macht sich in seiner frömmigkeitsgeschichtlichen Studie „Gott und Mensch im Alten Testament" (1926) — in der sich im übrigen eine bewundernswerte Weite des Blicks und Einfühlungsgabe mit der sichersten philologischen Kennerschaft verbindet — die Konstruktion Max Webers zu eigen (S. 86, vor allem in dem Kapitel S. 2o5ff. über die „Soziologische Bestimmtheit der Jahweforderung"); er verliert dadurch bei der Beurteilung wesentlicher Teile des Alten Testaments den sonst so sicheren selbständigen Blick für das eigentlich Ursprüngliche, ganz Eigenartige des biblischen Stoffes und für die eigentümlichen Denkformen seines abschließenden Sammlers. Auf Max Weber hat der bekannte Gedanke Nietzsches von der christlichen Liebe als der „feinsten Blüte des Ressentiments", also von der damit identischen jüdischen Frömmigkeit als der triebgehemmten Verinnerlichung aus dem Schicksal der Lebensbeeinträchtigung, aufs stärkste eingewirkt; die Umbildung der Nietzsche'schen Idee bei Scheler (in seiner großen Abhandlung in der ersten Fassung vom Jahr 1912 „Über Ressentiment und moralisches Werturteil") ist das Leitmotiv in der Auffassung der israeKtisch-jüdischen Geschichte bei Max Weber geworden. Die faszinierende aufregende Formulierung Nietzsche-Scheler-Weberscher Provenienz raubt leider immer wieder schlichteren, aber ganz echten selbständigen Kennern das Selbstbewußtsein und das Vertrauen in die bessere rechtmäßig und ehrlich erworbene eigene Einsicht der Wirklichkeit des Textes. Die Beispiele Delbrück und Max Weber sollten hier grundsätzlich zeigen, wie sehr heute noch „synthetische Versuche" — in dem einen Fall Einordnung in die allgemeine politische Weltgeschichte der mittelländischen Welt, in dem Fall Weber eine „soziologische" Einzwängung in die idealtypisch konstruierten Gebilde der menschlichen 'Gesellschaft — die Gefahr in sich schließen, von der wissenschaftlichen Basis abzugleiten und zur Belletristik zu werden. Gewiß: „Die politische Geschichte des Volkes Israel läßt sich an keinem Punkt der Entwicklung anders treiben denn als Teil der vorderorientalischen Geschichte" (Hempel) und ebenso sicher muß kulturgeschichtlich die im Alten Testament noch sichtbare ältere Geschichte Palästinas als ein 276