Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 275 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament habene erste Schöpfungsgeschichte, das Werk der sieben Tage im ersten Kapitel der Genesis, das einst für uralt galt, stammt erst aus dem Priesterkodex, also aus denselben Jahren, als Sophokles seine Dramen dichtete" (S. i3o). Wie Delbrücks weltgeschichtlicher Abriß hängt auch Max Webers berühmtes Fragment über das antike Judentum, das den dritten Band seiner „Religionssoziologie" füllt, von der Stoffbehandlung der modernen protestantischen Forschung ab, die der Verfasser hoch einschätzt. Trotz einer genialen durch und durch souveränen Betrachtungsweise der jüdischen Geschichte als des Werdens eines „Pariavolkes in einer kastenlosen Umwelt" sind die Beweisstücke, die Max Weber für seine Intuition beibringt, ausnahmslos fertig bezogen aus dem Arbeits- und Ideenmagazin der protestantischen theologischen Wissenschaft vom Alten Testament, das heißt aus dem von Wellhausen, Gunkel, Kittel usw. präparierten und zerlegten Alten Testament. Max Weber ist es indes mehr um eine Zuordnung der in dieser Literatur vorgefundenen historisch bedingten politischen, rechtlichen und sozialen Institutionen zu einer allgemeinen zeitlosen Kategorie des zu beschreibenden „soziologischen" Gebildes zu tun. Beispiel: Das Sozialrecht der israelitischen Rechtssammlungen im Verhältnis zum Geist anderer Rechte, dann die „Berith" (der Jahwe-Bund), die Erklärung dieses Bundesbegriffes aus „einer Dauerbeziehung grundbesitzender Kriegersippen zu Gastslämmen als rechtlich geschützter Metöken (Wanderhirten, Gasthandwerkern, Kaufleuten und Priestern)". Also immer ist es die soziale und ökonomische Seite, losgelöst von der zufälligen einmaligen Situation, die Max Weber interessiert. Jene oben geforderte philologisch besonnene tendenzlose und „eigenbegriffliche" Schau wird dabei allzuhäufig der These vom Pariavolk zum Opfer gebracht. Die prachtvolle und spannende Behandlung der Erzväter- Geschichten (besonders S. 58 ff.) „als ganz spezifisch pazifistischer Erscheinungen" ist deshalb letzten Endes ein Feuerwerk, das einer ruhigen Analyse des Textes nicht standhält. Spröde Tugend, vertrauensvoll gottergebene Demut und Gutmütigkeit mit einer von ihrem Gott unterstützten geriebenen Verschlagenheit seien die unheldischen Züge dieser „Helden": so hoch das Alter der Erzväter-Erzählungen hinaufzurücken sei, den pazifistischen, unheldischen Akzent in der vorliegenden Fassung hätten erst die besondere Redaktion „der theologischen Literatenkreise" speziell der sog. Elohist und die deuteronomische Schule geschaffen. „Es sind das Züge von Pariavolksethik, deren Einfluß auf die Außenmoral der Juden in der Zeit ihrer Zerstreuung als internationales Gastvolk nicht unterschätzt werden dürfen, und die mit dem sehr ausgeprägten 275 IS*