Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 273 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament Vorstellungswelt gegenüber den Religionen Kanaans und der Großreiche. Ägypten ist vor Babylonien wieder stärker in den Vordergrund getreten; Sprache, Religion, Recht der Hethiter ist zurzeit ein Forschungsziel von größter Wichtigkeit auch für die Verhältnisse, die das Alte Testament schildert. Das schwierigste Problem, das noch in den Anfängen steht, ist die Frage von ägäischen Elementen im alten Israel, die Ähnlichkeit griechischer und israelitischer Anschauungen. Das neue Reallexikon der Vorgeschichte, eine der größten deutschen wissenschaftlichen Kollektivleistungen der Nachkriegszeit, ist eine Fundgrube des aufschlußreichsten Stoffes über das Hineinragen der kleinasiatischägäischen Welt in den Vorstellungs- und Formenkreis des Alten Testaments. An diese Fragen, zu denen eine sehr große Literatur bequem erreichbar ist, kann hier nur kurz erinnert werden. Wenn trotz des angedeuteten Forschungsstandes Synthesen, allgemeine zusammenhangende Darstellungen einer Geschichte Israels in seiner Umwelt (meist mit den großen Abschnitten: Vorgeschichte — Kananäische Epoche — Assyrisch-babylonisches Zeitalter — Persische Zeit—Hellenistische und römische Vorherrschaft) immer wieder gewagt werden, so treten hier auf Schritt und Tritt grobe wissenschaftliche Unzulänglichkeiten auf, und was der Stoff noch nicht hergeben kann, wird häufig durch Annahmen ersetzt, die von zufalligen, isolierten, in ihrer Deutung oft unsicheren Funden oder Einfällen schwach gestützt werden. Einige neuere „synthetische" Arbeiten seien hier kurz charakterisiert. Wer in Berlin in den zwei ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts studiert hat, erinnert sich der in 4 bis 5 Semester eingeteilten prächtigen weltgeschichtlichen Vorlesungen von Hans Delbrück. Diese sind jetzt (1923—1929)» bisher in fünf Bänden, wissenschaftlich stark unterbaut, veröffentlicht. Der Genuß, den die Lektüre der lebendigen, sprudelnden Darstellung des alten Lehrers bietet, ist ein ungewöhnlich hoher. Was hier im ersten Band unter dem Titel „Israel und die Jahwe-Religion" als Geschichte von der Einwanderung in Gosen i38o bis zur zweiten Rückkehr Nehemias 42 3 auf 2 5 Druckseiten geboten wird, ist eine in der Gruppierung und Formulierung selbständige mit hohem Schwung und viel Witz vorgetragene Verarbeitung der älteren alttestamentlichen Forschungen von Wellhausen, Kittel, Budde, Gunkel, Greßmann und Eduard Meyer. Delbrück beginnt mit der Erörterung der bekannten Analyse des Wortes „Jahwe", eines Konventionalwortes wie „Jehova" — zwei höchst unheilige Wortbildungen I — und gibt damit den charakteristischen Auftakt zur 19 273