Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 272 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Feuchtwanger den und „noch dazu durch das von wissenschaftlicher Strenge, Akribie und Hingabe nicht zu ersetzende Geheimnis der seelischen Verbundenheit in der eignen Vorzeit wurzelten" (Wolfskehl in der oben erwähnten Anzeige), dieser Einwand gehört jener wissenschaftsfeindlichen, schöngeistigen Sphäre an, die wir hier schon öfters charakterisiert haben und der Yahudas Buch nicht zugerechnet werden will, denn Yahuda weiß es ja besser als der Schlußredaktor der Bibel, der Hieroglyphen nicht mehr lesen konnte.1) Es kann keine Rede davon sein, daß die von Kuenen, Dillmann, Wellhausen im 19. Jahrhundert errichteten Fundamente der Pentateuchkritik, namentlich die Theorie der Zusammensetzung dieser Bücher aus vier Hauptquellenschriften und ihrer Entstehungszeit von Yahudas Forschungen ins Wanken gebracht sind. Diese sind nur ein neuer, sehr gewichtiger Anlaß, die bisherigen vier fragwürdigen Gruppen von Schulargumenten für eine Stoffscheidung (Unterschied im Gottesnamen, im Sprachgebrauch, in der allgemeinen religiösen, ethischen, politischen und rechtlichen Vorstellungsweit sowie Wiederholungen und gestörter Zusammenhang) endlich einmal viel schärfer außerhalb der Theologie im Rahmen der Wissenschaften der Semitistik, der vergleichenden Sprachwissenschaft und der Ägyptologie von Grund aus neu zu untersuchen. Yahudas sehr wichtige Einzelergebnisse, aus denen er viel zu weittragende und falsche Schlüsse für den Ursprung des Pentateuchs und der hebräischen Sprache zieht, bringen namentlich für das in neuerer Zeit von Rudolf Smend und Otto Eißfeldt herausgearbeitete Sondergut des Pentateuchs, die sogenannte Laienquelle (nach dem Vorschlag von Eißfeldt mit dem Siglum L zu bezeichnen) wesentliche und neue UnterscheidungsmitteL Aus der außerordentlich großen Anzahl der Einzelarbeiten der Assyriologen und Ägyptologen, Forschungen, die sich allmählich zur vollen Eingliederung des Alten Testaments in die Welt des Alten Orients zusammenschließen, sollten die wenigen angeführten älteren und neueren Beispiele aus der Literatur und den Texten nur die Art zeigen, wie heute oft nach zufälligen Funden wissenschaftliche Fragestellungen gewählt und behandelt werden. Die Abgrenzung der Hebräer im einzelnen innerhalb der semitischen Welt oder des mittelmeerländischen Kulturkreises in den vorchristlichen zwei bis drei Jahrtausenden ist noch keineswegs geklärt, nicht einmal die Bestimmung des Standorts ihrer religiösen x) Nach Abfassung dieses Aufsalzes erschien die Besprechung des Y/sehen Buches von Ernst Sellin (Deutsche Lit. Ztg. v. 18. 5. 29, Sp. 937 ff.), der den Grundgedanken Y.'s für verfehlt erklärt, die Behandlung der Sagen der Vorzeit im zweiten Teil aber für einen neuen großen Wurf hält, der die bisherige babylonische Ableitung definitiv beseitigt. 272