Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 271 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament Ausdrücken und Redewendungen nach dem Ägyptischen" behandelt Yahuda die Exodus-Stelle i, 21: „... Er (Gott) machte ihnen (den hebräischen Hebammen zur Belohnung ihrer Gottesfurcht) Häuser (hebräisch: Battim)". So die wörtliche übliche Übersetzung und Auffassung, übrigens auch einiger klassischer jüdischer Exegeten! Es ist in der Tat in dieser Stelle alles unklar: die drei hebräischen Worte, gleichzeitig die Glieder des dreiteiligen Satzes, sind — eine Folge des spezifischen Charakters des althebräaschen Satzbaues — schlechterdings nicht mehr verständlich. Yahuda erklärt den Satz so: „... Sie (nämlich die Hebräer — der Plural ist nach anderen dem massoretischen Text gleichwertigen Texten unbestreitbar ebenso gerechtfertigt wie der Singular) machten für sie (die Götzenfiguren) Schreine" (Verhüllungen der Götzenbilder, um sich der von dem Pharao befohlenen Aufstellung und Bewachung der ägyptischen Götter und Schutzbilder zu entziehen). „Pharao wird befohlen haben, in allen Häusern der Hebräer Bilder von schreckenerzeugenden Gottheiten, wie z. B. der Göttin Sechmet, gewissermaßen als furchterregende Wächter aufzustellen, damit die Hebräerinnen sich vor ihnen fürchten und das Geheimnis der Knabengeburten für die Beseitigung solcher schrecklichen Beobachter preisgeben sollten." Als Gegenmaßregeln machten nun die Hebräer „Battim", wörtlich „Häuser", das sind nach ägyptischem Sprachgebrauch Hüllen vor dem bösen Blick der Götzen. Diese Erklärung ist aber nicht mehr als eine der vielen möglichen Ausdrucksabsichten des Sammlers der Geschichtserzählungen des Exodus; der Grad ihrer Wahrscheinlichkeit ist in das subjektive Ermessen des heutigen Lesers gelegt, scheidet also für die sprachwissenschaftliche Erkenntnis ganz aus. Die Stelle ist ihrem Sinne nach nicht mehr zu rekonstruieren. Die zahlreichen Erklärungen darüber, ob sie von Raschi oder von Ehrlich oder von Yahuda kommen, können selbst nur wieder Objekt einer Geschichte der Exegese sein. Wäre die Erklärung von Exodus 1, 21 durch Yahuda richtig, was ganz gut sein kann, so bewiese die Herübernahme eines solchen durch und durch dem Geist des Pentateuch-Redakteurs widersprechenden Gedankengutes wieder nur ebenso wie die Aufnahme anderer ähnlicher heidnischer, „unjüdischer" Partien die Richtigkeit der alten Annahme, daß unverarbeiteter, fremder Traditionsstoff durch jenen „Sammler" bei der Abfassung verwendet worden .ist, keineswegs aber trotz der großen Zahl viel deutlicherer Ägyptizismen die Entstehung des Pentateuchs um ca i2 5o v. Chr. Der populäre Einwand, warum wir es so viel besser wissen können wie Epochen, die nicht nur zeitlich, sondern auch nach ihrer Fühlweise den überlieferten Ereignissen näher stan- 271