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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 270

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
Date
1929-08-01
Page
270 (sequence 7)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger typische syntaktische Abweichungen festzustellen. Im Buch Esther kommen trotz des geringen Umfanges nicht weniger als 20—2 5 Stellen vor (die gewöhnlichen Phrasen: 'im-masa'thi-chen etc. nicht gerechnet), die glatte Entlehnungen von Sätzen, Satzteilen oder Satzfärbungen aus älteren Teilen des Alten Testaments sind, darunter gut die Hälfte aus der Josephsgeschichte, ganz ähnlich im Buch Daniel; denn beide Male, bei Esther und Daniel, bilden ähnliche Situationen, nämlich die Verhältnisse an einem fremden Hof und das Emporkommen einer jüdischen Persönlichkeit, das Thema. Es ist das große Verdienst von Yahuda, in einer Reihe von Einzelabhandlungen die ägyptischen Elemente in den von ihm behandelten Teilen der „Fünf Bücher" systematisch herausgearbeitet und frühere kleine Arbeiten darüber (etwa Gustav Karlberg, Über die ägyptischen Wörter im Alten Testament 1912) auf umfassender Grundlage ergänzt zu haben.1) Aber zu der Entstehung der hebräischen Sprache hat er mit seinem Buch keinen Beitrag geliefert. Die Folgerung aus dem Material, daß sich in der Zeit des ägyptischen Aufenthaltes der Israeliten die klassische hebräische Sprache aus einem primitiven kananäischen Dialekt entwickelt habe, oder daß sie etwa (nach Karl Wolfskehl im 1. Morgenblatt der Frankfurter Zeitung vom 12. 1. 1929) „die absichtsvolle Schöpfung eines einzelnen, des Moses," gewesen sein soll, ist geradezu abenteuerlich und mit keinem Schein bewiesen, nicht zu reden von einem Beweis der „Echtheit der 5 Bücher Mosis", d. h. der „Richtigkeit der Tradition gegenüber den bibelkritischen Feststellungen". Die herrschende Annahme von dem verhältnismäßig jungen Alter auch der ältesten Schichten der im Alten Testament erhaltenen Sagenüberlieferung ist durch Yahuda nicht widerlegt. Überdies ergibt sich bei näherer Prüfung der Yahudaschen Randglossen und Interpretationen zu den einzelnen Stellen, daß die unerläßlichen sprachwissenschaftlichen Methoden der Betrachtung eines antiken Textes, dazu noch eines reinen Konsonantentextes, vielfach vom Verfasser nicht genügend beobachtet sind. Möglichkeiten, die für den Sprachforscher nur zu einer glatten Feststellung einer unwiederherstellbaren Verderbtheit des Textes führen können, werden von Yahuda zu Wahrscheinlichkeiten, ja zum Range bestimmter Behauptungen über Wortlaut und Sinn der Stelle erhoben. Ein einziges, ganz typisches Beispiel: Unter den „gewöhnlichen J) Wie allgemein geläufig das Problem seit Jahrzehnten ist und mit welchen präzisen Mitteln die Lösung versucht wurde, lehrt beispielsweise der Aufsatz von Spiegelberg (in der Ztschr. d. Deutschen Morgenländ. Gesellsch. Bd. 53, 1899; S. 653 ff.) „Eine Vermutung über den Ursprung des Namens JHWH." 270

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