Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 269 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895487-2899884--03698-2899968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament nähme der Bestandteile, die ein hohes Kuiturniveau widerspiegein, und mittels eines entsprechenden sprachlichen Bedeutungswandels zu einer literarischen Sprache aufgeschwungen, die ägyptischen Sprachgeist und ägyptischen Sprachgebrauch, ferner intimste Vertrautheit mit ägyptischer Art durchgängig und „in allen Punkten auf allen im Pentateuch behandelten Gebieten" deutlich verrate. Zufälligkeiten und Reminiszenzen seien ausgeschlossen, es sei vielmehr evident, daß die Sprache des Pentateuch sich im ägyptischen Milieu der 18. und 19. Dynastie gebildet habe und daß eo ipso die Abfassung nur in der Zeit erfolgt sein könne, in der Israel in Ägypten war. In den Dienst dieser von Yahuda selbst vorausgenommenen These ist die Vorführung des gesamten sprachlichen Stoffes der folgenden Emzeluntersuchungen gestellt, die in sich abgeschlossene Exkurse darstellen über Lehmvorte, Redewendungen, syntaktische und stilistische Ausdrücke, assonantische Namensdeutungen, endlich über Analogien und Abgrenzungen gegenüber dem Akkadischen. Der Schwerpunkt des Werkes liegt in diesen Einzeluntersuchungen. Die These selbst ist mit dem bis jetzt vorgeführten Material nicht genügend gestützt, sie hängt ohne die in Aussicht gestellten (S. XXVIII, Fußnote 2) Darlegungen über die Komposition des Pentateuchs (vorägyptische, ägyptische und nachägyptische Zeit) in der Luft und enthält offensichtliche Irrtümer über die Möglichkeit einer Erkenntnis des Ursprungs und der Entstehungsgeschichte einer uns nur in so fertiger Gestalt vorliegenden Sprache wie des althebräischen Dialektes. Es ist auch früher nicht in Abrede gestellt worden, daß dem Sammler oder Verfasser der biblischen Geschichtsbücher unter dem mehr oder weniger bei der Übernahme schon literarisch geformten Überlieferungsgut, woraus er schöpfte, alter, sicher auch viel ägyptisch tradierter oder aus dem Ägyptischen übersetzter Stoff vorlag. Solche Heräbernahmen — oft ohne verbindende Naht mit dem Text der Umgebung — sind durch die ganzen kanonischen Bücher hindurch, am greifbarsten bei den späten ausgesprochen nachexilischen Büchern, zu beobachten und mittels exakter Sonderung der grammatikalischen und syntaktischen Formen sowie des Sprachgutes festzustellen. Anlehnung und Herübernahme aus älteren, geläufigen Teilen gehören zu den bekanntesten Erscheinungen des biblischen Stils. Die schon einmal erwähnten Untersuchungen von Kropat über die Syntax des Autors der Chronik waren gerade deshalb so ertragreich, weil für etwa ein Drittel des Bestands der Chronik die älteren Bücher die Vorlage waren; auf diese Weise war es nicht schwer, diese älteren Bücher mit den entsprechenden Kapiteln der Chronik zu vergleichen und 269