Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 268 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Feuchtwanger althebräischen Sprache zu analysieren, erhebt den Anspruch einer streng sprachwissenschaftlichen Arbeit. Forschungsziel ist die Sammlung und Behandlung von Einzeiworten, Einzelstellen und Abschnitten aus der Bibel (und zwar vorläufig nur aus der Joseph- und Exodusgeschichte, aus dem Schöpfungsbericht und aus einem kleinen Teil der Erzväter-Erzählungen), die auf ägyptische Wortbildungen und grammatikalische Formen (identische Konsonantenkörper, Nominalbildungen, Bildung von Eigennamen), namentlich aber auf ägyptische Syntax und ägyptische Stil- und Ausdrucksformen (Redewendungen, sprichwörtliche Redensarten) und auch auf ägyptischen Kulturstoff (Titel und Ämter, Eigennamen, Ableitung von Sprachbildern) zurückgehen. In den noch nicht erschienenen Bänden soll (nach dem Vorwort) die Untersuchung anderer Teile des Pentateuchs auf die ägyptischen Elemente hin vorgenommen, besonders auch die Sakral- und Gerichtssprache, die priesterlichen und kultischen Einrichtungen und die dabei verwendeten Ausdrücke, die Namen und Attribute Gottes, die gewerblichen und technischen Arbeiten bei der Herstellung der Stifishütte und der heiligen Geräte sowie die dafür geschaffenen Kunstausdrücke behandelt werden. Bibelkritische Folgerungen zieht der Verfasser zwar nicht, er verspricht, seine Stellung zum Problem der Komposition des Pentateuch später nach vollständiger Veröffentlichung der sprachlichen Materialien festzulegen, dagegen trägt er eine scharf umrissene Meinung über die Entstehungszeit des Pentateuch vor: Die herrschende Auffassung, wonach die Hauptteile, in denen babylonische Spuren am deutlichsten sind, darunter vor allem Schöpfungsbericht, Paradies-Erzählung, Sintflutsage, Sündenfall, Turmbau von Babel und Patriarchengeschichten, aus der Zeit des Exils im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. stammen, sei falsch, vielmehr seien erstens die Abschnitte des Fünfbuches, die als Ereignisse der vorägyptischen Epoche gedacht sind, zweitens die Erzählungen der Bibel über den ägyptischen Aufenthalt der Hebräer, von Genesis 3 g gleich nach dem Auftreten Josephs in Ägypten bis zum Siegeslied des Moses Exodus i5 und drittens die Teile über die Wanderungen auf der Sinai-Halbinsel und in der Umgebung bis dicht an den Jordan, „in einer abgeschlossenen einheitKchen Schriftsprache innerhalb der im Pentateuch selbst gegebenen zeitlichen und räumlichen Grenzen" entstanden. Der von den Israeliten vor der ägyptischen Epoche gebrauchte kanaäische primitive Dialekt aus den vorägyptischen Wohnstätten habe sich durch den langen Aufenthalt in Ägypten infolge der Annahme derjenigen Merkmale, die im allgemeinen Sinn eine literarische Sprache von einer primitiven Mundart unterscheiden, also durch Über- 268