Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 267 (sequence 4)
- Language
- German
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament gewarnt. Unter Wahrung der äußeren Form hat die Religion in Ägypten in unaufhörlicher innerer Umwandlung gestanden. „Die Religionsforschung ist eines der allerheikelsten Gebiete innerhalb der Ägyptologie, dessen eigentliche Schwierigkeit nur der Fachmann recht würdigen kann" (Schäfer). Mit Schlagworten wie „Magie" — „Polarität" — „Struktur" und mit Worringerschen Konstruktionen ist hier nichts getan. Die ältere Arbeit des Theologen Albrecht Alt, Israel und Ägypten (1909) und das Werk des Liverpcoler Ägyptologen Eric Peet, Egypt and the old Testament (1922) stellen die in Frage kommenden Tatsachen aus der alten Geschichte der Berührung zwischen Ägyptern und Israeliten übersichtlich zusammen. Seit Herder im Jahre 1782 die Frage der Verwandtschaft der ägyptischen Sprache mit dem Hebräischen erörtert und aus rein spekulativen und gefühlsmäßigen Gründen verneint hat („Von Geist der Ebräischen Poesie", 1. Ausgabe Dessau 1782; besonders Teil I, S. 3i7ff.), hat man infolge der zahlreichen und zwar im Brennpunkt der früheren und späteren jüdischen Geschichtserzählung stehenden Beziehungen zwischen Ägypten und der Bibel nach den sprachlichen Zusammenhängen immer wieder Umschau gehalten. Das sprachliche Problem ist in neuester Zeit bei der Erörterung des Ursprungs des Alphabets gelegentlich der neuentdeckten Sinaischrift wieder näher erörtert worden (siehe auch die Aufsätze von Rudolf Hallo, „Morgen", Jahrg. I, Heft 2 und Jahrg. II, Heft 1 und 2). Das gesamte Material darüber enthalten die beiden (aus den Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen 1916/17 zuammengestellten) Abhandlungen von Kurt Sethe mit dem Ergebnis des ägyptischen Ursprungs des semitischen Alphabets. Die Frage ist aber noch keineswegs geklärt. In einem weitläufig angelegten Werk, das oben schon gestreift wurde, hat nun vor einigen Monaten A. S. Yahuda unter dem Titel: „Die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen zum Ägyptischen" (Erstes Buch 1929) begonnen, nach den ägyptischen Elementen in der Bibel auf sprachwissenschaftlicher Grundlage systematisch zu forschen. Yahuda ist ein großer Kenner der semitischen Sprachen, allerdings mehr im Sinne orientalischer unmethodischer Gelehrsamkeit. Sein Hauptwerk aus dem Jahre 1912, die erste Herausgabe des arabischen Urtextes des Kitäb al hidaja, des religions-philosophischen Werkes des Bachja ibn Josef ibn Paquda ist eine anerkannte exakte Leistung auf dem schwierigen Feld der arabisch-hebräischen Literatur und Pieligionsphilosophie. Das Unternehmen Yahudas, die ägyptischen Elemente in der 267