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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 266

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
Date
1929-08-01
Page
266 (sequence 3)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger v. Chr.) so ein: „In den Zeiten der Not im alten Israel sind die Propheten aufgetreten, die die gewaltige Aufgabe gelöst haben, die Religion zu verinnerlichen, die ihrem Volk einen seelischen Ersatz schufen für die materielle Not. Ertrage in Ruhe, was Dir Gott schickt, Gott wird es Dir vergelten, Du mußt in der Not Deinem Gott doppelt treu sein. Es ist eine Entwicklung, die schließlich zur Überwindung des Judentums geführt hat. Ansätze zu einer solchen Wandlung hat es auch im alten Ägypten gegeben, das Gespräch eines Lebensmüden beweist es". So Pieper, der damit ein klassisches Beispiel für eine absolut befangene, in ein typisches protestantisch-theologisches Vorurteil befangene Interpretation jenes merkwürdigen und ergreifenden Gesprächsspieles gibt. Auch beim Lied des blinden Harfenspielers von der Vergänglichkeit alles Irdischen (um i3oo v. Chr., bei Ranke-Greßmann, S. 28 ff.) wäre die alttestamentliche Parallele nicht schwer. Das größte Aufsehen hat das vor 6 Jahren (1923) in den Egyptian Hieratic Papyrs in the British Museum veröffentlichte Weisheitsbuch des Amen-em-ope aus dem 10. Jahrhundert erregt. Über die Überemstimmung dieser in 3o Kapitel eingeteilten Weisheitslehre mit den Sprüchen Salomons hat Erman („Eine ägyptische Quelle der Sprüche Salomos", Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1924) sehr positiv geurteilt. Die Forschungen über die gemeinsame Wurzel sind noch nicht abgeschlossen (vgl. Pieper S. 89f.).x) Das Eindringen in die spezifischen Denkformen aller dieser sehr verschiedenen Zeiträumen angehörenden Literaturdenkmäler, die Arbeit sauberer, gewissenhafter Tatsachenermittlung und reinlicher Textwiedergabe ist vorläufig noch so wichtig, eine plastische Vorstellung der ägyptischen Religion in den Hauptepochen der drei Reiche noch so wenig gefördert, daß man hier Vergleiche mit der Vorstellungswelt des doch auch wieder sehr komplexen Alten Testaments noch ganz beiseite lassen muß. Heinrich Schäfer, der angesehene Kenner der ägyptischen Kultur, hat jüngst anläßlich der Frage der vergleichenden Wertung ägyptischer Kunst (Deutsche Literaturzeitung 1929, S. 707 f. und „Die Antike", Bd. III, S. 187 ff.) eindringlich und mit guten Gründen vor der Abgabe »intuitiver", expressionistischer Urteile über die ägyptische Religion a) Erman hat schlüssig nachgewiesen, daß sich das dritte Buch der Sprüche Salomos zum Teil (Spr. 22, 17—23, n) wörtlich mit der ägyptischen Spruchweisheit des Amen-em-ope berührt. Das Problem bleibt, die unbestrittene Eigentümlichkeit der israelitischen Spruchdichtung zu sehen und darzustellen. Zu der neugefundenen Lehre des Amen-em-ope in ihrem Zusammenhang mit der vorexilischen Spruchdichtung Israels hat Greßmann in der Zeitschrift f. alttestamentliche Wissenschaft (Bd. 62; 192^, S. 272 ff.) den Wissenschaftsstand am besten ausgebreitet und später dem gleichen Thema eine ebenso reiche wie feinfühlende allgemeine Darstellung in der Schrift ».Israels Spruchweisheit im Zusammenhang der Weltliteratur" (S- 35 ff.) gewidmet: eine der schönsten Arbeiten dieses großen, so früh dahingeschiedenen Gelehrten. 266

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