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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 265

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
Date
1929-08-01
Page
265 (sequence 2)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger: Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament siegten palästinensischen Gegnern genannt, man muß es also in Palästina suchen" (Spiegelberg). Die Beziehung zwischen diesem Israel und den verwandten in Ägypten angesiedelten Stämmen ist das Problem. Auch Erman sagt: „Da es (Israel) zwischen palästinensischen Ortsnamen angeführt ist, muß es auch in Palästina gewohnt haben". Lehmann-Haupt (Israe], seine Entwicklung im Rahmen der Weltgeschichte 1911) hat diese Folgerung später ausdrücklich bestritten, seine Gründe sind nicht durchschlagend. Da ist ferner die Erzählung des Lebens des Sinuhe und seiner Abenteuer in Palästina (Greßmann, Texte I, S. 55ff); die Geschichte spielt in der Zeit des Königs Sesostris I. (etwa 1980—1935) und ist nach Hermann Ranke am Ende der 12. Dynastie (um 1780 v. Chr.) verfaßt. Sinuhe, ein Gefolgsmann des Kronprinzen Sesostris, muß nach Palästina-Syrien fliehen, und wir erfahren, daß es schon im Anfang des 2. Jahrtausends unabhängige Stadtfürsten in Palästina gegegeben hat und daß das Land damals hochkultiviert war. Die ägyptische Literatur, von der ältesten Epoche über die Zeiten des alten, mittleren und neuen Reiches zur Ramessiden- und späteren Zeit, liegt heute in vorbildlich edierten Texten und Darstellungen vor und ist mit den schon genannten Hilfsmitteln nicht allzuschwer auf ihre „Richtigkeit" nachprüfbar. Ermans Chrestomathie „Die Literatur der Ägypter" (1923), die neueste Darstellung von Max Pieper.im Handbuch der Literaturwissenschaft (1927), Hermann Rankes Ägyptische Texte zum Alten Testament in der mehrfach erwähnten Greßmannschen Sammlung (1926) und Hermann Grapows Auswahl in dem ebenfalls schon oben zitierten Textbuch zur Religionsgeschichte (2. Aufl. 1922) bieten das Vergleichsmaterial in großer Fülle. Außer dem Siegeslied Menephtas und der Geschichte des Sinuhe ist in letzter Zeit Echnatons Loblied auf die Sonne aus dem Reformationsversuch von Amarna (i3oov.Chr., vgl. Greßmann-Ranke, Texte S. i5ff.) in Zusammenhang mit dem Alten Testament gebracht worden. Namentlich Hermann Gunkel geizt auch bei dieser Gelegenheit nicht mit geistreichen Vermutungen und Deutungen von „Parallelen" und setzt sich mit Siebenmeilenstiefeln über die Arbeit der Einzeiwissenschaft hinweg. In seinem großen Psalmen-Kommentar (1926) ist zu Psalm io4 Echnatons Sonnengesang abgedruckt und (S. 453) dazu bemerkt: „Das Gedicht ist auch in Einzelheiten Psalm io4 ziemlich ähnlich und durch irgendwelche Vermittlungen, vielleicht auf dem Wege über Phönizien, sein Vorbild". Max Pieper, der Ägyptologe, ist kein Theologe wie Gunkel; trotzdem leitet er in seiner ägyptischen Literaturgeschichte die Würdigung des „Gesprächs eines Lebensmüden mit seiner Seele" (aus dem mittleren Reich, etwa 2000—1800 265

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