Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Juden bei Paul Claudel
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 260 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Bab Irgend etwas ist zerrissen zwischen den Menschen und uns, schlimm genug für sie, wir haben Vorteil daraus zu ziehen . .." „Du stehst mit Sichel Habenichts da und ich stehe da mit dem Vatermörder." Das alte Weltsystem der feudalen Aristokratie ist bis auf den Grund ruiniert, das Blut der Coufontaines hat sich mit dem Plebejer Turelure und nun mit jüdischem Blut gemischt. Aber noch gründlicher scheint der katholische Glauben verdorben. Denn während der bronzene Christus nach Gewicht verkauft wird — «weg mit Schaden!" sagt Louis Turelure — dient die Religion als Dekorationsstück: Louis: „Alle Leute sagen ich sei katholisch." Sichel: „Ausgerechnet die Religion, die mir besonders liegt, sie ist so malerisch." Vater Habenichts aber, in dem von alten Ahnen her noch ein letzter Respekt vor dem Religiösen wohnen muß, bemerkt: „Hört die an! Von Religion spricht sie und katholisch, als ob sie von einem Eßzimmer spräche in Renaissance. Das ist ihr ziemlich egal." Und auch seine Mutter, die aus heroischer Glaubensleidenschaft lebte, übersetzt sich Louis in die Sprache seiner Welt Er sagt mit Beziehung auf das Kruzifix von ihr: „Sie war Sammlerin von so Geschichten." Hier ist ein ganzes Geschlecht am Ende. Ein Geschlecht ohne Ehrfurcht, Glauben, Liebe bricht in der Wüste das harte Brot der Verzweiflung. Aber dieses entsetzlich erbitterte Werk konnte kein Abschluß sein. Es war kein letztes Wort — weder für Claudels Weltbetrachtung überhaupt, noch für sein Verhältnis zum Judentum, dessen Sache er ja als „mächtig und erhaben" erkannt hat. VII. Das dritte Stück in der Claudeischen Reihe heißt „Der erniedrigte Vater". Es spielt wiederum ein Menschenalter später, im Rom von 1869 bis 1871. Es handelt sich politisch um die Aufhebung des Kirchenstaates, die Verweltlichung Roms, die für Claudel den Abschluß jenes Auflösungsprozesses bedeutet. Und Louis Turelure, der Sohn, ist jetzt französischer Botschafter in Rom. Er hat also ebenso erfolgreich zum dritten Napoleon hinübergewechselt, wie er dann wieder in die Dienste der Republik tritt. „Frankreich ist nicht denkbar ohne einen Turelure in seinen Diensten." — „Armes Frankreich!" Napoleons Garnison schützte bekanntlich den Papst gegen die eindringenden Italiener und wurde erst nach Sedan zurückgezogen. Für Claudel ist der fran- 260