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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 254

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Juden bei Paul Claudel
Date
1929-08-01
Page
254 (sequence 5)
Language
German
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Julius Bab Behling des katholischen Dichters, hängt aber zusammen, daß er wahrscheinlich von allen heute lebenden Poeten im bürgerlichen Dasein die größte, verantwortlichste und mächtigste soziale Stellung einnimmt. Paul Claudel ist heute französischer Botschafter in Washington — das dürfte das außenpolitisch wichtigste Amt sein, das, vom Präsidenten und vom Minister abgesehen, die Republik überhaupt zu vergeben hat. Und Paul Claudel hat neulich, — es war in allen Zeitungen zu lesen — ein vielseitiges Expose an seine Regierung geschickt über das neueste Modell, das die Firma Ford herausbrachte! Es ist ganz interessant, an dieser Stelle daran zu erinnern, daß Romain Rolland (der übrigens ein Schulgenosse und Jugendfreund Claudels. war!) — daß Rolland, dieser Apostel der Humanität, des Fortschritts, der Revolution, heute noch so gut wie verbannt aus Frankreich ist. Aber der Royalist und leidenschaftliche Verächter der Revolution, Claudel, ist Botschafter der Republik! Es liegt natürlich nahe, daran zu erinnern, wie mächtig eben die katholische Kirche trotz allem doch im öffentlichen Leben Frankreichs ist. Aber das ist doch nur eine oberflächliche Erklärung. Wesentlicher ist, zu erkennen, daß Claudel kraft seiner Weltanschauung wahrscheinlich die Wirklichkeit viel klarer, schärfer, unberührter ansieht als Ptolland, und daß er mit seiner statischen Betrachtung der Gesellschaft ein im tiefen Sinne konservativer Mann ist, also für jede Regierung (denn jede will eine bestehende Form erhalten!) ein bequemerer Mann als der andere, der für Entwicklung und Revolution lebt. IV. Dieser große Dichter und Katholik hat seine ganz leidenschaftliche Absage an die moderne Welt, die Welt nach 1789, in einem Dramenzyklus formuliert, der vielleicht heute den repräsentativsten und stärksten Teil seines ganzen Werkes ausmacht. Das älteste dieser drei Stücke ist schon 1911 erschienen. Es heißt „Der Bürge" und spielt im Jahre 1812. Napoleon ist fern in Moskau, der Papst sitzt in Gefangenschaft. Der Graf Ulyss Agenor Georg von Coufon^ taine und Dormant aber befreit den Papst heimlich aus seiner Gefangenschaft. Er ist Abgesandter des Königs, der in England im Exil lebt, und will den Herrn der Christenheit für die Partei seines Herrn gewinnen. Er bringt ihn in die alte Abtei Coufontaine, die auf dem Boden des ehemaligen Grafentums einsam im Wald liegt. Hier hat Sygne, seine Base, ihren Sitz aufgeschlagen; sie hat mit unsäglicher Mühe das verstreute Besitztum der Familie wieder zusammen- 254

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