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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 253

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Juden bei Paul Claudel
Date
1929-08-01
Page
253 (sequence 4)
Language
German
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Juden bei Paul Claudel Daraus folgt u. a. auch, daß hier wie in jeder rein katholischen, im Sinne der alten Kirche streng geschlossenen Welt, auch der Jude einen ganz bestimmten Platz hat — und zwar außerhalb der Gemeinschaft der Erlösten. III. Der Tod am Kreuz ist es, der für diesen katholischen Dichter die Menschenseele erlöst, ihre reine Beziehung zu dem göttlichen Ursprung wieder hergestellt hat. Folglich findet die Erlösung des Menschen, die Vervollkommnung der Seele immer wieder nur durch das Opfer, die vollkommene Üjberwindung letzlich durch den Tod statt. Für diese wie für jede im höchsten Sinne konsesquente, altchristliche Lehre gilt die Erkenntnis der deutschen Romantiker: „Dies ist keine Religion des Lebens, sondern des Todes." In der Tat verherrlicht Claudel nicht irgendwelche lebendigen Formen, sondern das Absolute, und preist folglich nicht den Tag, sondern wie Novalis die Nacht, nicht den Sommer, sondern den Winter, nicht das Leben, sondern den Tod: „Die Erstarrung des Winters ist da, leb wohl, o schöner Sommer, die Entrücktheit und die Ergriffenheit des Bewegungslosen ist da. Ich ziehe das Absolute vor. Gebt mich nicht mir selbst zurück. Hier ist die unerbittliche Kälte, hier ist Gott allein . . . Der Schmerz ist der Sommer und in der Blüte des Lebens dies Auf knospen des Todes." Im Gegensatz aber zu aller gradlinigen Verstandeslogik hat diese katholische Religion des Todes bei Claudel so wenig wie in den großen Fruchtzeiten des Mittelalters zu einer Verödung und Abschnürung des Lebens geführt, — sondern im Gegenteil! Die psychische Konsequenz besteht in einer ganz besonderen Sicherheit und Festigkeit, mit der die Erscheinungen des Lebens angefaßt werden, weil ihr vorbestimmter Platz ja so klar und deutlich, ihre Bedeutung so scharf und eng begrenzt ist. :— Claudels dichterische Gewalt beruht gerade darauf, daß er das wirkliche Leben in den kleinsten Kleinigkeiten beobachtet, daß er die Dinge mit einer oft erschreckenden Gradlinigkeit und Einfachheit ausspricht, daß er aber im Kleinsten ununterbrochen den Zusammenhang mit dem Absoluten spürt und spüren läßt: „Ich bin der Besichtiger der Schöpfung, der Nachprüfer der daseienden Dinge, die Festigkeit dieser Welt macht meine Seligkeit aus. In gemeinen Stunden bedienen wir uns der Dinge zu einer Nutzung; wir vergessen das reine Sein an ihnen; aber wenn ich, nach langer Mühe, quer durch Äste und Gestrüpp mittags meinen denkwürdigen Einzug in die Lichtung halte, wenn ich dann meine Hand auf die glühende Kuppe des lastenden Felsens lege, dann ist der Einzug Alexanders in Jerusalem der Ungeheuerlichkeit meiner Feststellung vergleichbar." Mit dieser unerschütterlichen Sachlichkeit, dieser klaräugigen Weltbeherr- 253

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